Film Neu im Kino

Meisterliche Antiromanze: "Blue Jasmine"


SABINA ZEITHAMMER
Lexikon | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Jasmine hat alles verloren: Nachdem ihr Ehemann Hal der Ausübung krummer Immobiliengeschäfte überführt wurde, ist es vorbei mit dem Luxusleben in der Upperclass von New York. Pleite und allein reist sie zu ihrer Adoptivschwester Ginger nach San Francisco.

Woody Allens neues Werk "Blue Jasmine" erzählt die Geschichte dieses versuchten Neustarts. In der Hauptrolle brilliert Cate Blanchett, die so großartig spielt, dass man ihr sofort einen Oscar in die Hand drücken möchte.

Mit Rückblicken in ihr ehemaliges Glamourleben deckt Allen nach und nach das Selbstbild auf, in dem Jasmine es sich gemütlich gemacht hatte - der unter der Oberfläche hässlichen Realität zum Trotz. Seine Komik schöpft der Film nicht nur aus dem Platzen dieses Lebenstraums, dem die nervlich zerrüttete Jasmine mit Beruhigungsmitteln und Alkohol begegnet, sondern auch aus dem Aufeinanderprallen mit ihrer neuen Arbeiterklasse-Umgebung: Zwischen Aufmunterungsversuchen und Schuldzuweisungen -auch Ginger hat unter Hals Gaunereien gelitten -reiben sich Standesdünkel aneinander, dass Funken sprühen. Die Suche nach einem "guten Mann", die die streitbaren Schwestern verbindet, ist ein weiteres Thema in Allens Reigen. Auch hier will die Vergangenheit der Figuren nicht ruhen - Allen ist diesmal weit entfernt von märchenhaft-verstrickten Romanzen.

So komisch es ist, Jasmine beim Strampeln und Straucheln nach ihrem tiefen Fall zuzusehen, so traurig und bitter ist die Geschichte im Kern. Blanchett erfüllt ihre Figur mit einem solch verzweifelten Kampfgeist, dass das Publikum bei aller Schadenfreude wünscht, das Kitten ihres Selbstbildes möge funktionieren. Doch noch ehe alle Komik endet und Trauer angebracht wäre, geht schon das Licht an.

Ab Fr in den Kinos (OF im Burg, OmU im Votiv)


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