Enthusiasmuskolumne Diesmal: der beste Woody Allen der Welt der Woche

Welcome back to the USA, Mister Allen!

FEUILLETON | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Es gibt die erratischen Genies, die alle heiligen Zeiten ein singuläres Meisterwerk in die Welt setzen; es gibt die projekteschmiedenden Maniker, und es gibt die beharrlichen Arbeiter. Woody Allen ist eindeutig zu Letzteren zu rechnen, und selbst Menschen, die seine Filme nicht mögen, müssen seinem Fleiß und seiner Verlässlichkeit Respekt zollen. Täglich übt Allen eine Stunde Klarinette, jährlich dreht er einen Film. Auch Fans werden nicht alle gleich gut finden, aber sie freuen sich, wenn sie jedes Jahr einen Film zu sehen kriegen, dessen Vorspann - weiße Schrift auf schwarzem Grund - mit Jazzmusik unterlegt ist.

Ob der Sprung über den Atlantik, den Allen 2005 mit "Matchpoint", seinem ersten London-Film, gewagt hat, wirklich eine gute Idee war?! Das klischeeund kitschpralle "Midnight in Paris" (2011) erinnerte doch stark an ein Video des Office du Tourisme und war auch circa so lustig. Mit "Blue Jasmine" (siehe auch Falter:Woche) ist Allen in die USA zurückgekehrt, und auch wenn der Film nur in den Rückblenden in New York, großteils aber in San Francisco spielt, muss man sagen: Es hat dem Meister gutgetan. Und Cate Blanchett und Sally Hawkins als ungleiches Schwesternpaar sind schlicht sensationell.

Mit seiner Parabel auf die menschlichen Kollateralschäden der Subprime-Krise ist Fjodor Michailowitsch Allen eine großartige Hommage an die real people geglückt, die sich mit Anstand und Arbeit durch den Alltag schlagen. Auch Allen kann ganz schön fies zu seinen Protagonisten sein, aber im Unterschied zu den Gebrüdern Coen hat er dafür einen guten Grund.

Die Coens wollen bloß Coen-Filme machen, bei Allen aber geht es um den Unterschied von Gut und Böse, Sein und Schein - Fragen also, an denen sich die Kunst aus guten Gründen seit Jahrhunderten abarbeitet.


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