Von Folter, Krieg und Dennoch-Weitertun

Das Festival FreiSchreiben holt widerständische Autoren wie die syrische Bloggerin Rosa Yassin Hassan nach Graz

STEIERMARK | GERLINDE PÖLSLER | aus FALTER 45/13 vom 06.11.2013

Ein Klomann und eine Prostituierte, eine Falun-Gong-Anhängerin und ein Parteikader, der zu einer Frau mit "schlechtem Klassenhintergrund" steht: Sie alle gewährten Liao Yiwu für den Interviewband "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser" Einblicke in ein "China von unten". Yiwu ist der bekannteste unter den Autoren, die das Kulturzentrum bei den Minoriten zum Festival FreiSchreiben. Literatur und Widerstand nach Graz holt: Der verfolgte Autor, dem 2011 die Flucht nach Deutschland gelang, ist Träger des Geschwister-Scholl-Preises 2011 und des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2012. Er ist aber nicht der Einzige der Eingeladenen, der inhaftiert und gefoltert wurde: Auch Philo Ikonya, die zur Korruption in Kenia publizierte, wurde mehrmals eingesperrt. Sie lebt heute in Oslo im Exil.

Yiwu war wegen seines Gedichts "Massacre" über die Ereignisse am Tian'anmen-Platz 1989 inhaftiert worden; über seine Zeit im Gefängnis berichtete er in "Für ein Lied und hundert Lieder". Er ist sowohl beim Lesefest am Sonntag dabei als auch diskutiert er bei einem Workshop an der FH Joanneum über "Die Kunst des Interviews". Über literarischen Journalismus sprechen Christos Ikonomou und Sascha Reh, die beide von den Folgen der Wirtschaftskrise erzählten.

Lakonisch fallen die Chroniken von Rosa Yassin Hassan, einer der wichtigsten Schriftstellerinnen Syriens, aus - und wohl gerade deshalb umso härter. Sie dokumentierte die Verbrechen des Assad-Regimes und der bewaffneten Opposition. Dazu musst sie immer wieder die Informationssperre durchbrechen, wurde bedroht - im September 2012 gelang ihr samt Familie die Flucht nach Deutschland. In ihren Blogs, die auch bei der FAZ und Bild.de erschienen, beschreibt sie eine Zehnjährige, die panisch schreit, wenn sie in die Nähe eines Fensters kommt - wegen der Scharfschützen. Und einen Zwölfjährigen, aus dem kein Wort darüber herauszubringen ist, was ihm im Staatssicherheitsgefängnis widerfahren ist. Anhaltspunkte geben nur die Risse an seinem Anus.

Graz, So und Mo, www.kultum.at


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