Marxens berühmtes Zitat

Falter & Meinung | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Betrifft: "Die Bibel nicht zu lesen ist ein Fehler“ von T. Edlinger, Falter 45/13

"Die Idee, dass dieser Oneliner ‚Religion ist Opium des Volkes‘ als Kritik der Religion ausreicht, ist lächerlich.“ Das stimmt - wenn man das Zitat so kastriert wie Mr. Philosopher Critchley. Der "Oneliner“ geht im Original nachprüfbar über eine Zeile hinaus und bekommt einen erklärenden, gar nicht lächerlichen Sinn: "Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben, oder schon wieder verloren hat. (…) Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.“ (Marx in der "Kritik der Hegel’schen Rechtsphilosophie“. Mit Lenin beginnt die blöde, heute gängige Formel: "Religion ist Opium für das Volk.“)

Walter Stach Wien 6

Die Bibel und Marx nicht zu lesen ist ein Fehler. Thomas Edlinger leitet sein Gespräch mit Simon Critchley mit dem Satz ein: "‚Religion ist Opium des Volkes‘, so lautet ein berühmtes Zitat von Karl Marx.“ Marx’ "berühmtes Zitat“ jedenfalls steht in einem Zusammenhang, der Religiösen keinesfalls ihre Würde abspricht. Meinen Predigtdienst möchte ich mit einem Dank an den Schweizer James-Joyce-Gelehrten Fritz Senn beenden. Bei ihm habe ich gelernt, dass der bibelfeste Marx mit dem "Seufzer“ auf Paulus anspielt, bei dem die "Kreatur der Vergänglichkeit unterworfen ist“ und bei dem "die ganze Schöpfung mitseufzt“ (Römer 8, 19-22).

Dr. Peter kislinger Wien 6


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