Meinesgleichen Josef Cap, politischer Hoffnungsträger

Falter & Meinung | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Josef Cap ist in der Kritik, weil er nach seiner Abberufung vom Posten des Klubchefs einen neuen Posten im Renner-Institut fand, mit dessen Bezahlung die ihm im Parlament entgangene Entlohnung kompensiert wird. Er wird als Präsident des Renner-Instituts sicher glänzende Arbeit leisten und dem ehrenamtlich agierenden Präsidenten Alfred Gusenbauer helfend unter die Arme greifen. Cap soll sich, war zu lesen, um die Entwicklung eines Parteiprogramms kümmern. Das entspricht den auf diesen Seiten geäußerten Thesen, Parteien bräuchten programmatisches Profil oder sie würden untergehen.

Nun leistet das Renner-Institut seit Jahr und Tag beachtliche intellektuelle Arbeit, welche von der Partei, soweit ich das überblicke, nicht gerade fieberhaft genutzt wird. Vom Gegenstück der Österreichischen Volkspartei kann man, fürchte ich, das Gleiche sagen. Finanziell eher ausgetrocknet, sehen diese Institute zu, wie ihnen Private, zum Beispiel das Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), den Rang ablaufen, mit dem das Renner-Institut übrigens längst kooperiert. Wir sollten uns also nicht darüber beklagen, dass im Fall Cap jemand versorgt wird. Wir sollten vielmehr hoffen, dass die Zeiten mediengetriebener Tagespolitik sich dem Ende zuneigen und die Parteien beginnen, Quellen zu pflegen, aus denen sie sich speisen. Nur so kann sich jenes Loch wieder schließen, das unser Budgetloch bei weitem übertrifft: die politische Bildungslücke unserer führenden Politiker. Josef Cap ist der Name unserer politischen Hoffnung. F


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