NS-Raubkunst: das vorbildliche Wien

Falter & Meinung | Kommentar: Matthias Dusini | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

In Sachen Raubkunst und Restitution könnte Deutschland ausgerechnet von Österreich lernen

Die beiden Fälle ähneln einander. Vor wenigen Wochen erfuhr die Öffentlichkeit von der Sammlung des Klimt-Stiefsohns Gustav Ucicky (der Falter berichtete). Der regimetreue Filmer hatte in der NS-Zeit Werke Klimts gesammelt und diese seiner Frau vererbt. Jahrzehntelang hingen die Bilder in einer Wiener Wohnung.

Der zweite Fall führt nach München, wo ein alter Herr mit Hunderten von Werken lebte, die sein Vater in der Nazizeit erworben hatte.

Solche Storys sind spektakulär. Während in den Nachkriegsjahren in Seen versenkte Goldbarren die Fantasie der Leser beflügelten, ist es heute die Kunst. Die Raubkunst ist das neue Nazigold.

Bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen. Nach dem "Anschluss“ im März 1938 fand in Österreich eine gigantische Enteignung vor allem jüdischen Vermögens satt. Neben Immobilien, Unternehmen und anderen Vermögenswerten waren davon auch Kunstgegenstände betroffen.

Kunsthistoriker


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