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Sollen sich Kinofilme nach Quoten richten, Frau Telje?

Politik | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

In Schweden weisen mehrere Kinos aus, ob Frauen im Film eine signifikante Rolle spielen. Dabei wird der sogenannte "Bechdel-Test“ durchgeführt. Worum es dabei geht und wieso das eine internationale Debatte auslöste, erklärt Ellen Telje aus Stockholm, die das Kino Bio Rio leitet.

Frau Telje, seit einem Monat wenden Sie den Bechdel-Test an. Warum denn?

Wir wollten vor Augen führen, dass die Geschichten und Erlebnisse von Frauen nicht gleichgestellt werden mit jenen von Männern. Es ist skurril, wie viele Filme die simplen drei Kriterien des Bechdel-Tests nicht bestehen.

Welche drei Kriterien sind das?

Es sollen mindestens zwei Frauen vorkommen, die einen Namen haben, nicht einfach "Mutter“ oder so heißen. Sie müssen miteinander reden, und zwar über etwas anderes als Männer. Das ist alles. Der Test sagt nichts über die Qualität des Films aus.

Es gibt auch Kritik daran: etwa dass sich Kunst nicht nach Quoten richten solle.

Viele missverstehen unser Ziel. Wir wollen aufzeigen, dass Frauen in Filmen unterrepräsentiert sind, auch noch heute. Allein die Tatsache, dass unsere Aktion nun auf der ganzen Welt diskutiert wird, ist ein Gewinn.

Wenn ein Film den Test besteht, wird er mit einem großen "A“ ausgezeichnet.

Genau. A steht für "approved“, also dass der Bechdel-Test bestanden wurde. Wir kleben das "A“ auf die Poster im Kino und merken es online an.

Welche Filme haben denn bestanden?

Bestanden haben etwa "Black Swan“, "Winter’s Bone“, "Melancholia“. Nicht bestanden haben "Gravity“, "Herr der Ringe“, "Star Wars“.

Wie ist das Feedback bisher?

Toll. Vielen Besuchern hat das die Augen geöffnet. Wir wollen die Aktion mindestens ein Jahr weiterführen, auch machen nun immer mehr Kinos mit. Das große Ziel ist aber, dass das irgendwann gar nicht mehr nötig ist.

Anruf: Ingrid Brodnig


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