Hypo Alpe Adria: Eine Milliarde in drei Wochen, bitte!

Politik | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

:: Wer wissen will, was Österreichs Politikern Kopfzerbrechen bereitet, muss nur auf die Website der Hypo Alpe Adria klicken. Dort verstecken sich in der Rubrik "Meldungen“ Hiobsbotschaften hinter schlichten Formulierungen. So wie vergangenen Freitag. Da gab die 2009 notverstaatlichte Bank bekannt, dass "basierend auf aktuellen Hochrechnungen zur Eigenmittelsituation (…) davon auszugehen ist, dass die Vorschriften hinsichtlich Kapitalausstattung per Ende November 2013 nicht mehr erfüllt werden“.

Konkret heißt das: Die Hypo braucht von ihrem Eigentümer Geld. Eine Summe nennt die Bank nicht, Insidern zufolge könnten es aber bis zu 1,3 Milliarden Euro sein. Dabei hat die Hypo erst vor drei Monaten 700 Millionen Euro erhalten - als Teil von insgesamt 2,2 Milliarden, die seit 2009 in die Bank geflossen sind.

Woher kommt nun dieser neuerliche Bedarf nach einem Milliardenzuschuss innerhalb weniger Wochen?

Ein kleines Heer an Bewertern in der Hypo stellt die zugrunde liegenden Berechnungen an. Dieses ermittelt permanent den Wert der einzelnen Teile des Unternehmens - zum Beispiel von Tochterbanken, ausstehenden Krediten oder bankeigenen Immobilien. Wenn etwa weniger Kunden als früher ihre Kredite zurückzahlen, schrauben die Mitarbeiter deren Werte nach unten. Derzeit sinkt der Wert der gesamten Hypo auch deshalb massiv, weil die EU bis längstens 2015 den Verkauf des Instituts vorgeschrieben hat. Dieser Zwangsverkauf in einer bestimmten Frist wirkt nicht gerade preiserhöhend. Wie viel die Hypo als Ganzes wert ist, steht übrigens zweimal jährlich in der Bilanz - nachdem die bankinternen Zahlen von Wirtschaftsprüfern testiert, also abgesegnet, wurden.

Warum aber braucht die Hypo schon Ende November Geld und nicht erst bei Bilanzerstellung zu Jahreswechsel? Laut Gesetz muss eine Bank acht Prozent Eigenkapital vorweisen, und zwar täglich. Die Hypo würde diese Vorschrift in drei Wochen verletzen - sofern bis dahin kein Geld fließt.

JOSEPH GEPP


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