Stolzes Jubiläum: Paul Lendvais "Europäische Rundschau“ wird 40

Medien | Gratulant: Armin Thurnher | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Es muss nicht immer ein Lob sein, eine Institution genannt zu werden. Die Europäische Rundschau, vor nunmehr 40 Jahren vom Publizisten Paul Lendvai gegründet, ist in Österreich keine Institution. Wie soll etwas Institution werden in einem Land, dessen geistiges Leben sich auf einige wenige Enklaven beschränkt? Es gibt in Österreich keine vergleichbare intellektuelle Revue, kein Magazin, das wie der deutsche Merkur, die Blätter für deutsche und internationale Politik oder der längst verblichene Monat ganz auf Bilder verzichtet. Vielleicht gibt es ein vergleichbares Magazin nicht einmal im deutschsprachigen Raum; die Rundschau sei die "vielleicht beste internationale Vierteljahresschrift in deutscher Sprache“, urteilte die Zeit einmal.

Das Magazin darf also so etwas wie Weltgeltung beanspruchen. Ein Blick in die zum 40er publizierte Liste von weit über 500 Autoren von Raymond Aron bis Adam Zagajewski genügt. Niemand, der sich für die Welt Mitteleuropas interessiert, nicht nur die verflossene, die gegenwärtige, kommt an der Rundschau vorbei.

Nicht von ungefähr würdigte vergangenen Freitag zum Jubiläum Karel Schwarzenberg, ehemaliger tschechischer Außenminister, den Herausgeber Lendvai und stellte ihn in eine Reihe mit Joseph Roth. Der eine, Lendvai, sei aus Budapest, der andere, Roth, sei aus dem galizischen Brody gekommen, beide hätten mit ihrer Perspektive dem Land mehr gebracht als viele Ansässige. Der Expolitiker und Rundschau-Finanzier Josef Taus hielt sich nicht mit Sentimentalitäten auf, sondern polemisierte gegen seiner Meinung nach fehlgehende europäische Finanzmarktregelungen. Auch das war erfrischend. Der Bundespräsident lobte Lendvais Streitbarkeit, und der Gelobte gelobte, in seinem Kampf gegen Provinzialismus, Chauvinismus und Rassismus nicht nachzulassen. Er wird nächstes Jahr ja erst 85!

Wir wünschen alles Gute, viele Jahre Rundschau und Lendvai, was im Übrigen dasselbe ist. F


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