Leb wohl, Vienna!

Feuilleton | Reisebegleitung: Matthias Dusini | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Das behutsame Buch "Wohllebengasse“ erzählt die außergewöhnliche Geschichte der Familie Gallia, die in Wien reich und in Australien glücklich wurde

Gretl probierte es mit Knöpfen. Als Gretl Herschmann-Gallia mit ihrer 16-jährigen Tochter Annelore am 13. November 1938, vor genau 75 Jahren, mit dem Zug an die österreichisch-schweizerische Grenze kam, war ihr Mantel sehr schwer. Sie hatte nämlich Goldmünzen mit Stoff überzogen und als Knöpfe angenäht. Was, wenn eine Grenzwache genauer hingesehen hätte?

Die beiden Frauen kamen durch, im Gegensatz zu jenen Flüchtlingen, die mit Schmuckbeuteln unter den Achseln oder wertvollen Briefmarkensammlungen in der Aktentasche erwischt wurden. SS-Männer, frisch rekrutiert aus Vorarlberger Parteigängern, holten sie wegen "Vermögensverschleppung“ aus dem Zug und schickten sie weiter ins Gefängnis.

War es Naivität, Mut oder einfach nur Massel? Diese Frage stellte sich der australische Jurist Tim Bonyhady, 56, als er nach dem Tod seiner


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