Ohren auf  Rock aus lokalem Anbau

Unter Mitwirkung der Herren Cohen und Gainsbourg

Feuilleton | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Wirken auf einer österreichischen Rockproduktion Leonard Cohen, Serge Gainsbourg und Little Richard mit, hat man es mit einem historischen Wunder oder aber einem Album von Ronnie Rocket zu tun. Für "Varieté“ (Phoenix-FireFlight-Records) gilt natürlich Zweiteres.

Der Sänger, der als Ronnie Urini die Wiener Punkszene prägte, dann in den USA das Rock-’n’-Roll-Glück suchte und 2011 nach langer Pause wieder ein Album herausbrachte, covert Lieder der drei Künstler, womit die auf dem Cover vermerkte "Mitwirkung“ zumindest nicht gelogen ist. "Varieté“ bietet neues und vor allem altes Material und bildet mit Songs wie "Chrom Nacht muss brennen“, "Zeitsturm“ oder "Halley-Kometson“ so etwas wie den Soundtrack zu einem fiktiven Science-Fiction-Rockmusical. Der Sound freilich weist weniger Richtung Zukunft als vielmehr Richtung 80er-Jahre-Rock.

In die späten Sixties entführen Bo Candy & His Broken Hearts auf ihrem zweiten Album "Flowers Must Fade“ (Konkord). Das burgenländische Quintett um Thomas "Kantine“ Pronai überzeugt mit fein ausgestattetem Vintage-Sound, der in den flotteren Momenten stilvoll anschiebt, ohne dabei aufdringlich forsch zu werden. Überraschend oft nimmt man das Tempo auch ganz heraus, klingt dann recht zart oder gleich balladesk-melancholisch. Die inhaltliche Grundstimmung ist düster; man möge seine Zeit nicht mit Freunden oder Geliebten vergeuden, heißt es an einer Stelle, dauerhaft Verlass sei schließlich nur auf Feinde. Durch die Ritzen dringt aber doch das Licht, und davon gibt es in den zehn Liedern so einige.

Nicht ganz unähnliches Terrain beackert der Sado Maso Guitar Club, der einst im Umfeld der Garagenrockband The Staggers entstand und mit "Sado Maso Guitar Club“ (Beatpop) ebenfalls sein zweites Album vorlegt. Das Quintett hat ein Faible für den psychedelischen Rock der 1960er, das es in freundlich-melodieselige Lieder von auffälliger, aber glücklicherweise nicht aufdringlicher Lässigkeit übersetzt.

Gerhard Stöger


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