Prost!  Lexikon der Getränke. Diese Woche: Stiegls Nachtschwärmer

Ein Bier, das nicht im Kopf, dafür aber im Gaumen passt

Stadtleben | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Die Salzburger Brauerei Stiegl tut sich besonders hervor in Sachen Bierspezialitäten. Ein Bier, das nun am Ende seiner kurzen Lebensdauer - Stichwort Limited Edition - steht, heißt Nachtschwärmer. In Kooperation mit der Kaffeerösterei Alt-Wien hat man sich darangemacht, die zwei Systeme Bier und Kaffee auf einen Nenner zu bringen. Oje. Die Ohren schmerzen und erst recht der Gaumen, wenn man solch absurde Dinge hört.

Beim Waldbier letztes Jahr erging es uns ähnlich - in sommelierartiger Manier wurden Assoziationen zu Marzipan geschaffen. Aber man überwand sich, und siehe da, es schmeckte ausgezeichnet. Nachtschwärmer also. Das dunkle Weißbier, dessen Zutaten vorwiegend aus biologischem und fairem Anbau stammen, hat einen Alkoholgehalt von 5,2 Prozent. Angesichts dieser Menge fallen den meisten ungeübten Biertrinkern bereits die Augen zu. Oft kommt man nicht über das erste Glas, weil es müde macht - zu wenig Alkohol, zu viel Flüssigkeit. Da passt ein aufputschendes Element im Grunde ganz gut - hier handelt es sich um eine sehr milde Form des Speedballs also.

Karamell- und Schokoartiges lässt sich erschmecken - mit der entsprechenden Bitterkeit ist das gar nicht unangenehm. Am Ende wird es leicht süßlich, zurück bleibt aber ein bitterer und hopfiger Geschmack. Alles bestens also, bloß nicht die Aufmachung: zu gewitzt. Wer noch probieren möchte, der wird sicherlich auch nach Ende der Limited-Edition-Zeit fündig: Kaffee und Bier gehen im Kopf noch nicht zusammen. MS


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