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Falters Zoo | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Ein ganzer Strauß musikalischer Frauen war vergangene Woche zu Besuch in Wien - unter anderem auch, um auf der Bühne zu stehen. So wie die sympathischen wie eineiigen Zwillinge Tegan und Sara Quin, besser bekannt als Tegan and Sara. Die beiden spielten mit Band in der ausverkauften Arena. Übrigens ihr erster Auftritt in Österreich, den das Publikum reichlich belohnte, zum Beispiel indem ein Plüsch-Einhorn auf der Bühne landete. Aber nicht nur darüber wunderten sich die beiden Kanadierinnen, sondern auch über die anachronistische Luftqualität. "Es ist wie 1998 in diesem Laden, jeder raucht“, erklärte Tegan Quin hüstelnd. Was die beiden sonst so bei ihrem Wienbesuch machten, außer eingequalmt zu werden? "Wir wanderten durch die ganze Stadt, aßen und tranken und betrachteten pornografische Kunst.“ Klingt nach einer guten Zeit!

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Prag aus Berlin in Wien. Klingelt’s? Ja, da hat’s geklingelt und geklimpert, gebimmelt, gerasselt und getschirnt. Denn die fabelhafte Band um Erik Lautenschläger und Polyinstrumentalist Tom Krimi wurde nach deren Gründung um Schauspielerin Nora Tschirner erweitert. Letztere war wohl auch für ein gut gefülltes Theater Akzent verantwortlich, obwohl ihr Einsatzgebiet auf der Bühne oft nur eine Mischung aus Pausenclown, Tanzbärin, Ansagerin und Dekoration für die Gitarre um ihre Schultern war. Völlig Banane! Denn das brachte sie so frivol sympathisch und rampensauig rüber, dass dem Sitzpublikum dann schließlich doch der Sessel zu weich wurde und alle stehend "Schicht im Schacht“ gesungen haben. Und die Musik? Geil wie Currywurst - nur mit Orchester. Anschließend sind noch alle ins Schikaneder zum Abtanzen rübergewachsen, während Jungmutter Nora den Nachwuchs im Tourbus versorgen musste.

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Im Rabenhof präsentierte Unterhaltungskünstler und Kabarettist Florian Scheuba sein neues Buch, den Satireband "Geht’s? Klartext im Getümpel“ (Amalthea). So etwas zieht naturgemäß viele seiner Kollegen - Robert Palfrader, Thomas Maurer, ... - an, aber auch Standard-Herausgeber Oscar Bronner. Immerhin kolumniert Herr Scheuba ja in seinem Blatte. Auf der Bühne las der Kabarettist die eigenen Texte so plastisch, wie es eben nur der Profi kann. Später kam dann noch ein anderer Profi nach vorne, um mit ihm über die gefährliche Recherche in der Welt des kleinen Glücksspiels zu sprechen: Falter-Chefredakteur und Aufdecker Florian Klenk.

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Sonntagabend durfte dann Wien noch die magische Vereinigung von Charisma und Attitüde erleben. Die Schweizer Künstlerin Sophie Hunger hauchte, brüllte und summte diesmal nicht im proper bestuhlten Konzerthaus, sondern im ausverkauften Wuk vor weißhaarigen Mathelehrern, die Ruhe im Auditorium einmahnten, schmusenden Pärchen und reservierten Anzug-Brille-Bart-Besitzern. "Dreißig ist das neue Zwanzig, der Mann ist die neue Frau, die Freiheit das neue Gefängnis“: subtiler Zeitgeist in Liedform, und nie wird es langweilig an diesem Abend voller philosophischer Anekdoten aus dem Bandalltag: "Wen würdet ihr in der Not als Erstes essen? Ich würde die alle essen“, deutet die Züricher Musikerin auf ihre Band, die mit Minimoog, Chello, Flügelhorn, Hammondorgel und Trompete am Werk ist. Und wir? Wir würden die reizende Frau Hunger sofort essen.

Ingrid Brodnig

Reini Hackl

Karin Wasner

christopher wurmdobler

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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