Kunst Kritiken

Wenn Köpfe und Städte keine Namen haben

Lexikon | NS | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Übermalungen von Fotos altmeisterlicher Gemälde legen die Fährte in der Schau von Yelena Popova: Ihre Bilder, bei denen sie auf ungrundierte Leinwand mit weißer Lasurfarbe Kreise, Ovale und Arabeske malt, stellen abstrahierte kunsthistorische Porträts dar. Reizvoll auch die Hängung: Mehrere Bilder wurden übereinander platziert, sie lehnen teils schief an der Wand und Teile von goldfarbenen Sesseln dienen als Stützteile. Im Zentrum der für "curated by" inszenierten Ausstellung steht die Frage nach der Repräsentation, der Popova auch in dem Video "Unnamed" nachgeht. Dieser Film handelt von geheim gehaltenen Sowjetstädten, in denen während des kalten Krieges Nuklearforschung betrieben wurde. Die Künstlerin wurde selbst 1978 in einer solchen "namenlosen Stadt" geboren und sie lässt auch persönliche Erinnerungen in ihre Doku einfließen. Galerie Knoll, bis 23.11.

Im Kollektiv: Sechs Hände, eine Handschrift

Drei Malerinnen, pro Tag zwei Gemälde, zwei Wochen lang: So lautete die Versuchsanordnung des jetzt in der Galerie Emanuel Layr präsentierten Projekts "84 Paintings". Viele Genres und Stile werden hier durchgespielt, aber unterschiedliche Handschriften von Manuela Gernedel, Morag Keil und Fiona Mackay sind nicht erkennbar. Kurator Bart van der Heide möchte bei "curated by" das als harmlos betrachtete Genre Stillleben aufwerten. Dafür bringt er Cornelis Gijsbrechts Trompe-l'Œil-Bild "Rückseite eines Gemäldes" von 1670 mit Arbeiten von Konzeptkünstlern wie Anna Oppermann, Christopher Williams oder Gerard Byrne zusammen, die die Bedingungen der Entstehung von Kunst reflektieren. Kühne Idee, spannende Schau! Galerie Emanuel Layr, bis 23.11.


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