"Den Gusi findet jeder in sich"

Die drei Männer von Maschek über ihr neues Politiker-Kasperltheater im Rabenhof

Lexikon | INTERVIEW: WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Das Trio Maschek aus Wien hat mit seinen Live-Neusynchronisationen von Fernsehbildern ein originäres Satireformat entwickelt. Noch erfolgreicher sind Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel mit ihren Politiker-Kasperltheaterproduktionen im Rabenhof. Die Puppen werden nach Karikaturen von Gerhard Haderer gestaltet und von Maschek gesprochen. Diese Woche hat das neue Stück "Bye-bye, Österreich!" Premiere. Der Plot: Große Teile der heimischen Polit-Elite müssen auf einer unwirtlichen Insel notlanden.

Falter: Was ist der Unterschied zwischen den Puppentheater-Stücken und einer klassischen Maschek-Show?

Peter Hörmanseder: Bei unseren Fernsehgeschichten gibt es keinen geschriebenen Text, die Dialoge werden frei improvisiert. Aber auch wenn wir einmal völlig den Faden verlieren, rennt das Video ja weiter, und wir kommen irgendwann wieder in die Spur. Würden wir beim Kasperltheater den Faden verlieren, würden die Puppen irgendwann verhungern. Schon deshalb muss es einen geschriebenen Text geben. Nach der 30. Vorstellung braucht man das Buch dann eh nicht mehr, da kann man's eh schon auswendig. Da kann man dann schweinische Zeichnungen reinkritzeln und die anderen ablenken.

Robert Stachel: Man muss mit der Stimme mehr Leben hineinpumpen als beim Video, wo die Figur ja real zu sehen ist. Das Kasperltheater verlangt die Outrage - und das widerstrebt mir manchmal.

Ulrich Salamun: Das sind wirklich komplett verschiedene Genres. Du hast beim Kasperltheater im Prinzip keine Vorlage. Die Figur musst du komplett erschaffen und du musst in die Figuren relativ viel reinlegen, damit das überhaupt funktioniert. Und das ist bei Figuren, die als Persönlichkeiten per se schwach sind, umso schwieriger. Die kannst du kaum wiederbeleben.

Wer ist ein besonders schwieriger Fall?

Hörmanseder: Spindelegger ist ganz schwierig.

Salamun: Furchtbar! Es fängt schon damit an, dass der keine Stimme hat, die du imitieren kannst. Wir haben uns da mit einem Kunstgriff geholfen: Er redet so, wie wir den Kermit nachmachen.

Macht es eigentlich Spaß, Strache zu spielen?

Stachel: Nein, der ist eher unbeliebt. Auch da gibt es einen großen Unterschied zwischen den Formaten: Bei den Puppen muss man die Figuren näher an sich heranlassen als beim Video. Das ist beim Strache natürlich ein schwieriges Unterfangen. Nicht nur wegen seiner politischen Einstellung, sondern auch, weil er als Person ja nicht greifbar ist. Beim Gusi war das wirklich leiwand, da konnte man aus dem Vollen schöpfen. Anteile vom Gusi findet jeder in sich.

Salamun: Also, wenn du Anteile vom Strache in dir findest, ist das ein Alarmsignal. Ein Problem ist auch: Die Puppen sind per se ja herzig. Da besteht die Gefahr der Verniedlichung.

Gibt es eine Figur, die von Anfang an immer dabei war?

Hörmanseder: Es ist noch nicht ganz sicher, ob er diesmal wieder auftreten wird, aber der Putin war bisher immer dabei.

Ist Neos-Chef Matthias Strolz erst nach der Wahl ins Stück gekommen?

Hörmanseder: Ja, am Tag nach der Wahl war klar: Strolz muss vorkommen. So flexibel müssen wir sein. Umgekehrt ist der Stronach gerade noch drin geblieben.

Der ist nicht mehr lustig?

Hörmanseder: Genau. Als wir vor einem Jahr begonnen haben, über das Stück nachzudenken, fanden wir ihn noch witziger. Aber er hat einfach keine Substanz.

Und Faymann?

Stachel: Ich bin manchmal selbst erstaunt, wie viel die Puppe beim Spielen hergibt im Vergleich zur realen Person. Als Faymann zum ersten Mal aufgetaucht ist, hab ich mir gedacht: Um Gottes Willen, was machst mit dem?

Hörmanseder: Wirklich lustig finde ich, dass der echte Faymann in den letzten fünf Jahren seine Stimme völlig verändert hat. Manche behaupten, dass das mit uns zu tun hat.

Salamun: Eine Oktave tiefer!

Hörmanseder: Aber nur, wenn er als Kanzler auftritt. Privat klingt er wie früher.

Obwohl die Politikverdrossenheit immer mehr zunimmt, boomt das Maschek-Kasperltheater. Wie kommt das?

Hörmanseder: Ich glaube, viele sind gar nicht politikverdrossen. Es verdrießt sie nur, dass die Politiker heute so unpolitisch sind. Wie soll man gegen dieses Beige ankämpfen? Bei Schwarz-Blau war das noch leichter. Auch deshalb boomt eine angemalte Variante von Politik, wie wir sie machen. Wir hauchen Leben ein, wo keines ist.

Rabenhof, Premiere Do 20.00


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