Literatur Tipps

"Warum kann dein Mann nicht lesbisch sein?"

Lexikon | SF | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Die Debatten über Identitäten und Quoten, über schwache Männer und starke Frauen sind vielschichtig und -stimmig wie nie zuvor", schreiben Christine Loetscher und Angelika Reitzer zum heurigen Gender-Schwerpunkt des Festivals Literatur im Herbst im Odeon, mit Rahmenprogramm in der Alten Schmiede. Und weiter: "Wie mächtig Sprache in diesem Zusammenhang ist, zeigt etwa die Tatsache, dass die Einführung des generischen Femininums (in diesem Fall die weibliche Anrede für alle Personen) an einer deutschen Universität mehr Diskussionen entfachte als jene um die Eintragung des dritten Geschlechtes (x), wie sie ab dem 1. November dieses Jahres in deutschen Reisepässen möglich sein soll."

"Gender tun und lassen" lautet das Motto des dreitägigen Festivals heuer. Welcher Autor könnte dazu mehr sagen als Thomas Meinecke, der sich in seinen Romanen ("Tomboy","Hellblau" oder zuletzt "Lookalikes") wie auch in einigen Songs seiner Band FSK mit Themen wie Queerness beschäftigt. "Warum kann dein Mann nicht lesbisch sein?", fragten sich FSK dazu einmal. Im Falter-Interview führte Meinecke aus: "Als jemand, der sein Leben lang heterosexuelle Liebespraktiken verfolgt hat, finde ich es einen ganz großen Verdienst der Queer-Studies, meine Hetero-Normalität in Frage zu stellen. Der Punkt ist, Begriffe wie Homo-und Heterosexualität nicht mehr als gegeben zu nehmen, sondern zu erkennen, dass eventuell die Heterosexualität von der Homosexualität abgeleitet ist." Er liest am Sonntag.

Auch der Rest des Programms ist so ansprechend und ambitioniert wie schon lange nicht mehr. So lesen weiters etwa Emmanuelle Bayamack-Tam (in ihrem Roman "Die Prinzessin von." nimmt sie die Perspektive eines Mannes ein, der lieber eine Frau wäre), Oksana Sabuschko oder Sabine Scholl. Odeon, Fr 19.30, Sa-So 16.00; Alte Schmiede, Sa 11.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige