Film Neu im Kino

Leiden, retten, zielen: Tom Hanks in "Captain Phillips"

Lexikon | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Apollo 13", "Saving Private Ryan", "Cast Away": Tom Hanks' Filmhits der späten 1990er waren auch Entwürfe dessen, was es heißt, westlich zu sein. Im Bild des unter Sterne, Stranddünen, Sperrfeuer geworfenen Hanks hieß es: Identität zu gewinnen aus einer schmerzlichen Geschichte, aus der nur nacktes Leben zu retten war. Lieber Survivor sein, als ganz geschichtslos in die Zeit der Globalisierung/Digitalisierung zu gleiten: Postheroische Blockbuster nobilitierten (haut-)nahe Vergangenheiten im Zeichen des Traumas.

Daran knüpft nun "Captain Phillips" an, mit Hanks in alter Größe und einem Titel, dem nur das "Saving" fehlt. Basierend auf einem Pirateriefall von 2009 geht es um bange Stunden, die der US-Titelheld nach Kaperung seines Frachters vor Somalia als Geisel lokaler Kidnapper durchleidet. Die Welt ist heute so globalisiert wie ihre "Krise", also beschwört der Film Analogien: Um in dieser argen Zeit zu bestehen, müssen unsere Kids hart sein, so eingangs Herr zu Frau Phillips; doch es sind junge Somalis, die ihn bald die Härte des (Kidnapping-)Business spüren lassen. "We all got bosses", sagt der Captain zum Piraten. Im Überlebens-und Psychoduell regieren Angst, Not, Improvisationszwang und Ganzkörpereinsatz auf beiden Seiten. Paul Greengrass variiert Ohnmachtspathos und Faktendemut seiner 9/11-Inszenierung "United 93": Bild und Stimmen zittern, jeder ist "Opfer".

Wenn mit dem Absaufen aller Heroik in der Eigendynamik einer Situation kokettiert wird, zählt umso mehr, was an Unterschied bleibt: Wer ist noch handlungsfähig? Und wer weiß? Phillips, seine Crew, seine Navy-Retter, sie sind fast alle weiß; alle Piraten sind "Schwarzafrikaner". Ja, so war das halt: alles Fakten. Sie gebieten nüchterne Bilder, bis hin zur Präzisionsoptik derer, die im Nachtsichtfadenkreuz Ziele ausknipsen. Harte Zeit, sichere Hand. Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Burg)


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