Theater Kritik

Happel macht Ernst: ein bisschen Krieg

Lexikon | WK | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

David Bösch ist der Gameboy unter den am Burgtheater engagierten Regisseuren. Der Mann, der mit 35 immer noch aussieht wie sein eigener Hospitant, geht auf die Probebühne wie andere Kids in den Beserlpark; immer fällt ihm noch ein Trick, noch ein Gag ein. Maria Happel wiederum ist im Ensemble des Burgtheaters die Königin der Komik. Ihr komödiantisches Talent und ihr explosives Lachen haben etwas Unwiderstehliches. Als Bösch nun mit Happel "Mutter Courage und ihre Kinder" inszenierte, stellten sich zwei Fragen. Ist so ein strenges, humorloses Brecht-Stück überhaupt ein geeignetes Spielzeug für Bösch? Und: Kann Happel auch Tragödie?

Antwort eins: Nein, zur "Courage" ist dem Regisseur nicht viel eingefallen. So wie Patrick Bannwarts Grautonbühnenbild ästhetisch eine Art Comicversion von Brechts alter Modellaufführung darstellt, hat die ganze Inszenierung einen biederen Retro-Charakter, der durch ein paar grelle Farbkleckse nur oberflächlich an Schärfe gewinnt. Ein Feldhauptmann (Hermann Scheidleder) etwa kommt daher wie einer dieser durchgeknallten Marines aus einem Vietnamfilm, und die stumme Tochter Kattrin -großartig gespielt von Böschs Lieblingsschauspielerin Sarah Viktoria Frick - wird bei einem Überfall zu einem Monster verunstaltet. Den Wahnsinn und die rohe Gewalt des Krieges, die mit solchen Bildern transportiert werden sollen, spürt man an diesem Abend aber nie.

Und Maria Happel? Kann sie überhaupt ernst spielen? Klar kann sie. Ihre Courage ist eine starke Mischung aus Flintenweib und Punkerbraut, die Kraft und die Härte der Figur sind in ihrer Performance ebenso enthalten wie mütterliche Gefühle, aber auch erotische Gelüste. Das bleibt die wichtigste Erkenntnis dieser Aufführung: Man tut dieser Schauspielerin Unrecht, wenn man sie auf die Ulknudel vom Dienst reduziert. Burgtheater, Di 19.30


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