"A Buddy for A Text": Das Jungfernhäutchen zwischen der Kunst und dir

STEIERMARK | KRITIK: ULRICH TRAGATSCHNIG | aus FALTER 46/13 vom 13.11.2013

Die Kunst der letzten 100 Jahre lässt sich als einigermaßen textverliebt beschreiben. Das begann mit sprachlich schüchternen, formal-typografisch aber wohl komponierten Wortfetzen innerhalb kubistischer Collagen und hat sich bald zu bücherlangen Problem -erörterungen ausgewachsen. Text ist längst zu einem der wichtigsten Trägermedien diverser Sparten bildender Kunst geworden, ob für Konzeptkunst, für Film und Video oder, wie die Ausstellung "A Buddy for A Text"(bis 7.12.) verdeutlicht, natürlich auch für Performances. Da gehört ein wenig Textanalyse schon fast wie selbstverständlich zu den Instrumentarien künstlerischer Selbstbefragung.

Wie weit man dabei gehen kann, führt Carolee Schneemann in ihrer Arbeit "Interior Scroll -The Cave" vor Augen. Man muss sich aber nicht gleich Texte aus der Vagina oder anderen Körperöffnungen ziehen, um zu erkennen, wie eng die Liaison von Text und Kunst, von Text und Künstler werden kann. Andererseits fungieren Texte in der Performancekunst aber auch als mehr oder weniger durchsichtige Trennschicht: zwischen Künstler-Ich und Kunstwerk genauso wie zwischen Kunstwerk und Publikum. Sprache, Skript und vorbei ist es mit jedem ganz und gar unmittelbaren Selbstausdruck und Fremdverstehen, mit der Barrierefreiheit rein zufällig sich gestaltender Mitmach-Kunst sowieso. Das macht die von Veronika Hauer tiefgründig kuratierte Ausstellung ebenso klar, wie den Umstand, dass Texte immer einen Schwebezustand zwischen Fiktion und Wirklichkeit erzeugen, aus dem sich spannungsreiche Momente, auch für die Selbstwahrnehmung als Teil eines Publikums, ergeben.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige