Meinesgleichen

Schleim. Die Republik hat ihre Medien verdient

Falter & Meinung | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Die österreichische Pressegeschichte der letzten Jahrzehnte ist die Geschichte der Brüder Fellner. Seit ihrer Schülerzeitung Rennbahnexpress pflegen die beiden das segensreiche Zusammenwirken von Journalismus und Politik, das sich doppelt bemerkbar macht: Erstens biedert sich die Politik dieser Art von Boulevard an. Und zweitens fließt Geld zu den Produkten der Gebrüder Fellner und ihrer Klons. Eine sogenannte journalistische Pratzn verbindet sich mit dem Fehlen jeglicher Hemm- und Ekelschwelle.Das zieht sich durch von 1983, als das Magazin Basta mit einer Lügengeschichte (einer als echt ausgegebenen literarischen Satire über einen grünen Politiker) auftrumpfte, bis zu den zahlreichen erfundenen Interviews in Österreich (immer wieder auch in dieser Zeitung aufgezeigt).

Nun hat sich die österreichische Nationalmannschaft gegen derartige Praktiken von Österreich gewehrt. Bizarrer Nebeneffekt: Michael Jeannée trat in der Krone als Medienkritiker auf und warf Wolfgang Fellner Schleimigkeit vor. In all seiner Schleimigkeit hatte Jeannée Recht! Ehe wir dazu kommen, den Mut der Nationalmannschaft zu loben - Politiker, ihr mit den rotweißroten Schals, aufgepasst! -, wehrt sich Österreich mit einem offenen Gegenbrief: Man habe niemals irgendein Interview gefälscht. Frechheit siegt, Lügen lohnt sich. Mehr noch: Diese Verhaltensweise wird von der Politik reich finanziert, diese Art von Medien wird offiziell gewünscht. Für eine Medien-WM wird sich dieses Land nie qualifizieren.


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