Kommentar  

Kein Bruch des Vertrauens, sondern eine Notwehrreaktion

Schulpolitik

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Nach 35 Verhandlungsrunden sind die Gespräche gescheitert: Die Regierung will das neue Lehrerdienstrecht ohne die Zustimmung der Lehrergewerkschaft beschließen. Diese droht nun mit Streik.

Im Kern scheiterten die Gespräche, weil sich die Lehrergewerkschaft nicht der Schulrealität des 21. Jahrhunderts anpassen will: Diese erfordert, dass Pädagogen in der Schule präsenter sind, dass dieser Job nicht weiterhin als Halbtagsbeschäftigung wahrgenommen wird und dass alle Lehrer gleich behandelt werden - egal, ob sie in einer Hauptschule oder einer AHS-Oberstufe arbeiten.

Ein Streitpunkt war etwa die Zahl der Unterrichtsstunden. Sollen alle Lehrer künftig in der Woche 24 Stunden in der Klasse stehen? Hier muckten die Gymnasial- und die BHS-Lehrer auf. Sie mussten bisher in der Woche am wenigsten unterrichten. Nun würden sie, so hieß es, besonders hart von der Stundenerhöhung getroffen.

Diese Argumentation verdeutlicht, dass die Lehrergewerkschaft den wichtigsten Punkt des neuen Dienstrechtes nicht akzeptieren will: Die 2-Klassen-Gesellschaft bei den Lehrern soll abgeschafft werden. Erst damit werden Bildungsreformen wie die Gesamtschule möglich.

Aber diesen Weg wollen die schwarzen Lehrergewerkschafter, die vor allem die Gymnasiallehrer vertreten, nicht einschlagen. Die Gefahr, dass dann echte Reformen (von der Gesamt- bis zur Ganztagsschule) kommen, ist viel zu groß.

Nun will die Regierung dies ohne die Gewerkschaft umsetzen. Ist das ein "Bruch der Sozialpartnerschaft“? Nein, nicht nach 35 Verhandlungsrunden. Wenn wir warten, bis sich die Lehrergewerkschaft bewegt, dann warten wir noch verdammt lange.


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