Wo man mit "Schwein!“ grüßt

Politik | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Wie Behörden dabei versagen, Asylwerber menschenwürdig zu beherbergen. Eine "Dossier“-Recherche

Samira sitzt vor dem Fernseher, denn sie will Ärztin werden. "Ich schaue mir Sendungen an und versuche aus Gesten und Mimik abzulesen, was die Personen gesagt haben könnten“, erzählt sie in ihrer Muttersprache. Mühsam sei das.

Samira wird vermutlich nie Ärztin werden. Sie ist 15 Jahre alt - und noch immer Analphabetin.

In Afghanistan hatten ihr die Taliban verboten, in die Schule zu gehen. In Österreich hat sie keine Möglichkeit dazu. Sie ist nicht mehr schulpflichtig, und dort, wo Samira gerade wohnt, gibt es keinen Deutschkurs. Mit ihrer Mutter und ihren drei Geschwistern ist sie aus ihrer Heimat geflohen. Sechs Monate lebt die Familie schon über der Wirtsstube eines Gasthauses am Rande eines kleinen Dorfes namens Bromberg in Niederösterreich und wartet auf eine Entscheidung der Asylbehörden.

Es ist ein heißer Sommertag, an dem wir Samira treffen. Das Mädchen ist in einem Asylquartier


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