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Wie viel verdienen Sie an der Darbo-Werbung, Frau Palmer?

Verführungskolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Nachts im Museum erwachen die Malereien zum Leben. Eine großgewachsene, rothaarige Frau schleicht durch die Gänge. An ihrem goldenen Kleid erkennt man sie sofort: Sie ist die Geküsste aus Gustav Klimts berühmtem Bild "Der Kuss“. Was sie zu so später Uhrzeit macht? Genussvoll ein Glas Fruchtikus löffeln.

Mit diesem Fernsehspot wirbt derzeit Darbo. Im Hintergrund spielt eine eingängige Melodie, das Lied "Coin Operated Boy“. Amanda Palmer hat es für ihre Band The Dresden Dolls geschrieben - ein toller Hit. Seit 2006 setzen Darbo und die Agentur Demner, Merlicek und Bergmann eine adaptierte Version davon ein.

Wie denkt Amanda Palmer darüber? Sie spielte vergangene Woche am Wiener Blue Bird Festival (siehe Zoo, Seite 47) und findet es lustig, dass ihr bekanntestes Lied hierzulande mit Konfitüre assoziiert wird. "Die Marmelade schmeckt super, ich esse sie immer in Österreich“, sagt sie, "bei einem Auftritt in Wien haben wir sogar eine Performance damit gemacht und uns Darbo ins Gesicht geschmiert.“

Sie betont gerne, wofür die Werbegelder eingesetzt werden: "Mein Bandkollege Brian und ich zahlen damit jedes Jahr unsere Gesundheitsversicherung.“ Kurz gesagt: Österreichische Marmelade kompensiert den nicht vorhandenen US-Sozialstaat.

Manche Musiker lehnen es aus Prinzip ab, dass ihre Lieder in Werbung vorkommen. Amanda Palmer entscheidet das von Fall zu Fall. "Bis heute hat mir das noch niemand vorgeworfen, ich hätte mich für Marmeladewerbung verkauft. Das sagte echt keiner.“


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