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Feuilleton | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Hielt Wendelin Schmidt-Dengler (1942-2008) seine "Vorlesungen zur österreichischen Literatur von 1945 bis 1990“, klang es, als wäre die Republik wiederaufgebaut worden, um von der "Wiener Gruppe“ bis zu Josef Winkler ihrem gerechten Schicksal zugeführt zu werden. Dekonstruktion im besten Sinn und philologischer Furor. Der posthum erschienene Fortsetzungsband beginnt mit Thomas Bernhards Erbe und den "stanzen“ des alten Jandl - obszön zwar, aber weitaus gelassener. Der Roman orientiert sich von Ransmayr bis Geiger neu und wenig experimentierfreudig, trotz der Hochzeit von Jelinek und Streeruwitz in den 1990ern. Schmidt-Dengler bleibt mit Verve der Alte und leidenschaftlich prägnant, bemerkt etwa über Ferdinand Schmatz: "Die Sprache ist verflixt und zugenäht.“ Oder über "Talschluss“ von Olga Flor: "Wir begeben uns aus der Geschichte heraus, wenn wir uns ins Hochgebirge hineinbegeben.“ Kein Kanon, eher ein Kompendium - lesen! EK

Wendelin Schmidt-Dengler: Bruchlinien II -


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