Die Gewitterwolken des Glaubens und die Brüste

Feuilleton | Buchrezension: Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Per Olov Enquist findet in seinem "Buch der Gleichnisse“ die Wahrheit nicht in der Religion, sondern im Körper

Das Buch der Gleichnisse“ beginnt mit Rückblenden in die Kindheit. Und schon die Geburt des Ich-Erzählers wird von einer finsteren Wolke überschattet: Denn dessen um zwei Jahre älterer Bruder ist da längst tot, gestorben, bereits zwei Minuten nachdem er dem "gierigen Schoß der Mutter entrissen“ worden war.

Fünf Jahre nach der autobiografischen Selbsterforschung "Ein anderes Leben“ (2008) kehrt Per Olov Enquist noch einmal in die enge Welt seiner nordschwedischen Heimat zurück, wo der 1934 geborene Sohn eines Holzfällers und einer Dorfschullehrerin unter der "Gewitterwolke“ der Pfingstbewegung aufwächst.

An dieser von Schuld und Verderben dominierten Gedankenwelt gehen die Menschen seiner Familie reihenweise zugrunde: die Großcousine, der der Knabe an die Brust greift, die aus religiösen Motiven ihre Sexualität unterdrückt und schließlich im Wahnsinn endet;


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