Prost!  

Über ein Bier, das ohne Allüren auskommt

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Platan II

Stadtleben | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Die Platane ähnelt hierzulande dem Spitzahorn, weswegen die beiden grünen Riesen gerne miteinander verwechselt werden. Dieser im 17. Jahrhundert entstandene Hybrid aus Amerikanischer und Morgenländischer Platane wurde sodann nach der bereits vorhandenen Art benannt und heißt also Ahornblättrige Platane.

Was hat das mit dem Getränk der Woche zu tun, fragt man sich zu Recht. Drei grafisch abstrahierte Platanenblätter wurden auf dem Etikett des Platan II platziert. Dieses helle Lagerbier wird im tschechischen Protivin hergestellt, einem Ort, der zwischen Pilsen und Budweis gelegen ist. Das Design ist nicht wahnsinnig spektakulär, aber auch nicht unsympathisch. Angeblich wurde in Protivin bereits im 16. Jahrhundert Bier gebraut, da passt ein altersliebender Baum wie die Platane gerade richtig ins Bild. Im frühen 18. Jahrhundert gelangte die Brauerei in den Besitz der Familie Schwarzenberg, woraufhin die Produktion im verhältnismäßig großen Maßstab begann, deren Blütezeit um die Jahrhundertwende gewesen sein soll. Mit 4,8 Prozent Alkohol und elf Prozent Stammwürze ist es ein sensationell unauffälliges Bier mit einem vorwiegend herben, nicht unsüffigen Charakter.

Man wird in der Produktbeschreibung der Begriffe "Ehrlichkeit“ und "Schnittigkeit“ gewahr und greift betroppezt zu. Es schmeckt so schnörkellos, dass man ob dieser Unmanieriertheit fast gerührt ist. Das funktioniert, da will man mehr oder auch nicht. Je nachdem. Im Fluc wird man derzeit dieses pivos habhaft. MS


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