Ins Mark  

Mit dem Hintern ins Gesicht

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter

Stehen wichtigen Kulturinstitutionen wie dem Forum Stadtpark, der Camera Austria, La Strada oder dem Theater im Bahnhof mit 2015 Kürzungen ins Haus? Für das kommende Jahr werden die Budgets zwar nicht angetastet, aber mehrjährige Förderverträge will Finanzstadtrat Gerhard Rüsch (ÖVP) derzeit nicht absegnen.

Die Dreijahresverträge für freie Kulturträger haben Tradition in Graz und hatten zudem, so hört man oft, Vorbildwirkung für andere Städte. Mit gutem Grund: Sie gewährleisten Stabilität und Planungssicherheit, ermöglichen längerfristige Projektentwicklungen und ersparen nicht nur den Kulturschaffenden, sondern auch der Stadt das jährliche Verhandlungsprozedere. Nicht zuletzt sind sie eine starke Geste: Liebe Kulturschaffende, schön, dass wir euch haben. Und wir wollen, dass ihr bleibt!

Auf das Kompromissangebot der ÖVP, nur die Verträge jener Fördernehmer nicht zu unterzeichnen, die mehr als 100.000 Euro pro Jahr bekommen, wollte Kulturstadträtin Lisa Rücker (Grüne) nicht eingehen. Das Auseinanderdividieren ist tatsächlich ein wenig unappetitlich. Und so fehlt nun 60 mehrjährigen Förderverträgen der Sanktus. Für eine Kulturstadt ist das ärmlich. Selbst wenn es die nächsten Jahre sehr eng wird - in den Verträgen findet man schon lange folgenden Passus: "Die Mittel werden nach Maßgabe der budgetären Verfügbarkeit der Stadt Graz in den jeweiligen Jahresbudgets flüssig gestellt.“ Warum also das Zaudern? Um nichts zu versprechen, was man eventuell nicht halten kann, meinte Rüsch gegenüber dem Falter. Dass dennoch manch Kulturschaffende das Gefühl ereilen mag, man fahre ihnen mit dem Hintern ins Gesicht, ist denkbar.


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