Menschen

So viele Lieder

Falters Zoo | Ingrid Brodnig, Wolfgang Kralicek, Karin Wasner, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Dass unser Tierkolumnist (siehe unten) tierisch gut schreiben kann und umfassend gebildet ist, wissen wir seit Jahrzehnten. Was für ein Showprofi der Mann ist, war uns neu. Am Freitagabend feierte Peter Iwaniewicz im bis auf den letzten Platz ausverkauften Rabenhof (als einziges Wiener Theater mit einem Tier im Namen der logische Spielort) mit der Liveshow "1000 Tiere“ sein Kolumnenmillennium - und rockte drei Stunden lang das Haus. Wobei: Im Wortsinn gerockt haben nur Iwaniewicz’ kongenialer Illustrator Bernd Püribauer und dessen Band Turbodeli, die neben einigen ihrer Songs ("Wollt ihr den totalen Hit?“) auch zahlreiche Tuschs spielten.

Die drei prominenten Talkgäste des Abends waren dazu verpflichtet worden, ein Tier mitzubringen. Tex Rubinowitz kam mit einer ausgestopften Scholle, Herr Hermes mit einer Ameise aus Murano-Glas und Gerald Votava mit dem Riesenmodell einer Gelse. Der insgesamt sehr lässige Abend klang als Kochshow aus: Iwaniewicz briet auf der Bühne Regenwurm-Burger. Und sie wurden tatsächlich alle aufgegessen!

Stefan Hantel, besser bekannt unter dem Namen Shantel, gab im Radiokulturhaus eine FM4-Radiosession und sorgte für Neuerungen. Der Musiker, der den Balkan in die Clubs brachte, siezte das Publikum. Und er sorgte mit den Musikerinnen Emma Greenfield und Cherilyn MacNeil (Dear Reader) sowie dem Bucovina Club Orkestar dafür, dass anders als sonst die Leute nicht in den bequemsten Ledersitzen der Stadt blieben. Man tanzte unter der FM4-Lampe. Wie hatte Radiomann Martin Blumenau Shantel angekündigt: "Ein Projekt im Dienste der Menschheit.“ Genau.

Liedermacherwoche in Wien. Ungefähr die allercoolste Frau auf diesem Planeten ist Amanda Palmer, die Sängerin sorgte dafür, dass das Blue Bird Festival vergangenen Donnerstag so was von ausverkauft war - noch ausverkaufter geht gar nicht mehr, schon Monate vorher waren alle Karten vergriffen. Ausnahmsweise war Amanda Palmer im Porgy durchgehend komplett bekleidet und referierte vielfach über ein Thema, das ihr ein großes Anliegen ist: das F-Wort, der Feminismus. "Amanda Fucking Palmer“! Kaum eine Musikerin wird so herzhaft von ihren Fans geliebt und von den Kritikern gehasst - oft aus demselben Grund: Weil sie als Frau großgoschert und erfolgreich ist und sich für beides nicht entschuldigt. Wir lieben sie übrigens dafür und würden gerne auf ihr Angebot zum Ende des Gigs zurückkommen: "Sagt dem österreichischen Fernsehen, sie sollen mich anstellen, und wir starten eine feministische Sendung.“ Fuck yeah! Aber das traut sich der ORF nie!

Nach drei Tagen Bluebird Festival wird das Porgy auch noch sonntags vom Songwriternachwuchs heimgesucht. Der Brite Tom Odell, ein talentierter, blondlockiger Knabe am Klavier, wurde dieses Jahr mit dem Kritikerpreis der Brit Awards ausgezeichnet und bewies schon beim Frequency, dass er die Mädels zum Schunkeln animieren kann. Ins ausverkaufte Porgy drängten auch hauptsächlich junge Damen mit großen Smartphones. Es wurden Plakate hochgehalten, und ab und zu wurde sogar gekreischt. Während zukünftige Youtube-Videos festhielten, wie Odells Schweiß auf die Tasten tropft und der Klavierhocker beim inbrünstigen Gesang wackelt, schlichen wir uns nach draußen. Genug Lieder für diese Woche!

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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