Kunst Vernissage

Beton im Strumpfhosen und Kunst als Triathlon

Lexikon | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Sie gehörte zu den bösen Mädchen der Young British Artists: Mit explizit sexuellen Anspielungen aus dem Reich der Gurken und Bananen wurde Sarah Lucas Ende der 1980er-Jahren berühmt-berüchtigt. Die Londoner Künstlerin vertrat die Pose des auch noch im Kunstweltglamour rotzigen working-class girls noch authentischer als ihre Kollegin Tracey Emin. Die Künstlergruppe Gelatin lud Lucas 2011 zu ihrer Ausstellung in die Kunsthalle Krems ein, wo ihre Strumpfhosen-Beton-Skulpturen auf das Beste mit der exzessiven Formensprache der Boygroup harmonierte. Jetzt kommt die Künstlerin zu einer Personale in die Secession und hat eine Gegeneinladung für einen Ausstellungsbeitrag ausgesprochen. Schon mit dem Ausstellungstitel "Nob" erfüllt Lucas die Erwartungen: "Knob" bedeutet im Englischen Türknauf, wird aber umgangssprachlich auch für Penis verwendet. Mit neuen, großen Betongüssen und Bronzen wird Lucas wieder phallische Formen kreieren. Im Plural bedeutet "knobs" aber im Slang auch Brustwarzen, und diese werden auf raumhohen Tapetenbildern zu sehen sein.

Der 1971 in Linz geborene Künstler Tobias Pils stellt in der Secession eine neue Serie von großformatigen Gemälden vor und wird auch eine ortsbezogene Installation präsentieren. Die Secession selbst wird für Pils dabei zum Leitmotiv und er greift ihre charakteristischen Formen auf. Das Kaminzimmer bespielt der niederländische Video- und Performancekünstler Guido van der Werve, der sich in seinen Filmen großen körperlichen Strapazen aussetzt. So legte der Künstler einen 1700 Kilometer langen Triathlon zurück, um von Warschau nach Paris zu kommen -eine Hommage an Chopin, dessen Herz diese Strecke reiste, um in Polen begraben zu werden. Seine aktuelle Schau heißt "at war with oneself". NS

Secession, Fr 19.00; bis 19.1.


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