Dann hätten wir bitte noch gerne: zweierlei Dreiecksbeziehung aus lokalem Anbau

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Zwei Menschen kommen auf die Bühne. Zwei Menschen, die zusammengehören. Wollen. Sie sind als Astronauten verkleidet, sagen ihren Text, während sie auf einem Netz balancieren, das über der Bühne schwankt. Beziehung ist ein Balanceakt. Auf der anderen Seite steht die Einsamkeit des Weltalls, in der die Raumfahrer sich verlieren. Christian Müller hat schöne, traurige Bilder gefunden für Olga Flors schönen und traurigen Text "totstellen" (TTZ, So, Mi, Do, 20 Uhr). Flors Abgesang auf die Idylle der Zweisamkeit ist ein assoziationsreicher Bilderbogen, dessen Vorbilder von Jelinek bis Schwab reichen. Es geht um die Verwundbarkeit der Zweisamkeit, der Eindringling ist hier die Putzfrau: die Intimität der Ordnung, ein Bild für die Sehnsucht nach Ordnung in der Intimität. Müller und sein junges Team stellen sich tapfer dem Text und seinen Tücken. "totstellen" hat sich dieses Engagement verdient. Sowie mehr Publikum und auch mehr Mut in der Interpretation.

Wie so ein Mut, ja, Übermut, aussehen kann, zeigt nicht zum ersten Mal Theater t'eig, dieses Mal in Kooperation mit dramagraz und anhand des - zugegeben sehr viel einfacheren - Materials von Martin Crimps Drama "Auf dem Land" (dramagraz, Fr, Sa, Mi, Do, 20 Uhr). Die von Crimp gekonnt rekonstruierte Dreiecksgeschichte wird von Regisseur Thomas Sobotka ebenso gekonnt dekonstruiert, damit sie in Markus Boxlers wunderbarem Bühnenbildpuzzle von wunderbaren Darstellern Baustein für Baustein wieder zusammengesetzt werden kann.

Zwei Geschichten, die man sich geben sollte. Wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige