"Wir lieben den Quatsch sehr"

Tobias Bonn alias Toni Pfister spricht über die neue Show der Geschwister Pfister

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 47/13 vom 20.11.2013

Vor 22 Jahren hatten ein paar junge Schauspieler in Berlin die Idee, als singende Schweizer Familie aufzutreten und sich Geschwister Pfister zu nennen. Das war der Beginn einer bis heute andauernden Erfolgsgeschichte; die zwischen Glam und Parodie angesiedelten Programme der drei Pfisters erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Als "Zugabe" zum Festival FSK13 gastiert im Metropol nun die aktuelle Show "Wie wär's, wie wär's? - Die Geschwister Pfister in der Toskana", eine mit Schlagern unterlegte Zeitreise in die Fifties bis Seventies, als Italien das große Sehnsuchtsland der Deutschen war. Der Falter sprach mit Tobias Bonn alias Toni Pfister.

Falter: Das Thema der neuen Pfister-Show liegt nicht gerade in der Luft. Wie kam es dazu?

Tobias Bonn: Vor längerer Zeit fanden wir einmal den Titel "Die Geschwister Pfister in der Toskana" lustig; da dachten wir aber mehr an die Toskana-Fraktion: das Bildungsbürgertum, das in die Toskana zieht. Die Idee haben wir verworfen, aber der Titel ist hängengeblieben. Und irgendwann sind wir auf das Thema Urlaubssehnsucht gekommen. Das wird in der Schlagerbranche immer wieder behandelt, da gibt es unendlich viel Material. Zum ersten Mal ins Ausland, das erste Mal ans Meer! So eine Italienreise ging damals in Richtung Abenteuer. Heute gibt es das in der Form nicht mehr.

Was gibt es stattdessen?

Bonn: Heute fliegt doch jedes Kleinkind schon auf die Malediven. Der Abend hat schon auch was Nostalgisches. Da unser Publikum zu großen Teilen mit uns gealtert ist, kennen das alle. Und sie erinnern sich voller Sehnsucht oder auch Schaudern an diese Reisen.

Würden die Pfisters lieber in den Fifties leben?

Bonn: Also ich nicht, nee. Man verklärt solche Sachen immer, aber jeder Zuschauer weiß, dass das Kitsch ist. Dem gibt man sich voller Freude hin, sieht aber gleichzeitig, wie haarsträubend diese Klischees sind; es ist eine Distanz da. Vielleicht nicht bei jedem Zuschauer, manche sind einfach selig. Das stört mich aber nicht. Ich kann ja niemandem vorschreiben, wie er das zu verstehen hat.

Gibt es eine Rahmenhandlung?

Bonn: Eigentlich sogar zwei - was komischerweise niemanden zu stören scheint. Einerseits spielen wir unsere Pfister-Figuren mit ihren komischen Akzenten. Gleichzeitig spielen die Pfisters aber eine deutsche Familie aus dem Ruhrpott. Bei den Proben hab ich mir gedacht: Na, ob das nicht ein bisschen zu kompliziert ist? Überhaupt nicht! Die Leute juckt das nicht im Geringsten.

Wie ist euer Verhältnis zu diesen alten Schlagern?

Bonn: Eigentlich lieben wir den ganzen Quatsch sehr. Es funktioniert nicht zufällig so gut. Das spricht ganz unmittelbar alle an, man darf das auch schön finden -entweder weil man halt ne alte Kitschkuh ist, was auf uns sicher auch zutrifft, oder weil man die Ironie sieht.

Fehlen heute Schlager?

Bonn: Ich finde das immer ganz grauenvoll, was heute so läuft. Aber vielleicht finden wir das in 20 Jahren genauso lustig. Im Moment kann ich mir das nicht vorstellen.

Wie fanden Sie die alten Schlager denn damals?

Bonn: In den 70er-Jahren habe ich auf der Gitarre Wolf Biermann gespielt, aber heimlich mit meiner Schwester die Hitparade im ZDF geguckt. Der Unterschied zu heute ist: Ob man das nun doof fand oder davon geschwärmt hat - alle kannten das Zeug!

Kann man die Show als Kommentar der Pfisters zur aktuellen Krisenstimmung deuten?

Bonn: Vielleicht schwingt das irgendwie mit, aber letztlich machen wir das in variierter Form ja seit 20 Jahren. Eigentlich dreht sich bei uns immer alles um das Showbusiness, wir reiten da drauf rum, tun so, als wären wir ein Teil davon - und sind es auf gewisse Weise ja auch. Das funktioniert fast immer, wenn man's richtig macht. Wir haben uns da ja unsere eigene Nische geschaffen, in der wir uns inzwischen ganz gut auskennen.

Was ist wichtiger für eine Pfister-Show? Die Story, die Songs, das Thema?

Bonn: Die Story sicher nicht. Wir haben immer ein Thema, das eine gewisse Dramaturgie herstellt. Aber das etablieren wir meistens in den ersten 20 Minuten, und danach ist es dann nicht mehr wichtig. Wir mussten jetzt einmal eine Vorstellung abbrechen, weil einer krank wurde. Und da hat kein Zuschauer gefragt: Wie geht's denn aus? Also, um die Geschichte geht's nicht wirklich.

Metropol, 26. bis 30.11.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige