Zeit am Schirm

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 48/13 vom 27.11.2013

TV-Kolumne

Die schwindende Macht des Fernsehens zeigt sich auch darin, dass keine Schachweltmeisterschaften mehr übertragen werden. Als etwa Bobby Fischer 1972 in Reykjavík gegen Boris Spasski antrat, standen überall im Saal TV-Kameras herum. Fischer war davon so irritiert, dass er zur zweiten Partie erst gar nicht antrat - und kampflos einen Punkt an seinen Gegner verlor.

Bei der aktuellen WM im indischen Chennai zwischen Viswanathan Anand und Magnus Carlsen war alles anders. Man verfolgte die Spiele nicht auf dem Bildschirm, sondern im Internet. Das dramatische Elemente ging dabei verloren und die Remis wirkten noch ein bisschen fader, als sie es ohnehin sind. Aber war die TV-Absenz wirklich ein Verlust? Die neuen Medien zeigten sich von ihrer besten Seite, selten sind so viele ernste und kenntnisreiche Leserzuschriften in den Onlinezeitungen zu lesen. Und Fischer würde auch heute rumzicken - weil Smartphones im Raum sind.


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