Enthusiasmuskolumne

Eine gut durchmischte Ménage-à-quatre

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 48/13 vom 27.11.2013

Diesmal: das beste Streichquartett der Welt der Woche

Goethe nannte das Streichquartett einmal ein Gespräch von vier gebildeten Menschen. Es ist das anspruchsvollste unter allen kammermusikalischen Genres, gleichzeitig die intimste und direkteste Art zu spielen. Voraussetzung für diese Ménage-à-quatre ist, dass alle, trotz ihrer individuellen Vorlieben und Neigungen, am selben Strang ziehen.

Bei Sebastian Gürtler, Régis Bringolf, Thomas Selditz und Florian Berner ist sozusagen der Idealfall eingetreten. Die vier Herren bilden das Hugo Wolf Quartett, welches vor 20 Jahren gegründet wurde und heute zu den besten seiner Zunft zählt. Lebendiges Musizieren nehmen die vier wörtlich; lebende Komponisten haben denselben Stellenwert wie Schubert oder Beethoven; aus purer Lust und weil es spannend ist zu spielen, was im Hier und Jetzt passiert.

Dass man sich vor dem Neuen nicht zu fürchten braucht, weiß man spätestens im Konzert. Seit einigen Jahren bestreitet das Hugo Wolf Quartett einen eigenen Zyklus im Schubert-Saal der Konzerthauses, und auch in diesem Jahr wird in jedem Konzert neben zwei "klassischen“ Werken auch ein zeitgenössisches Stück zur Aufführung gebracht. Die Symbiose ist verblüffend und inspirierend zugleich, vorausgesetzt, man lässt sich auf neue Stimmungen und Gedanken ein.

Zum zweiten Abend am 28. 11., bei dem Werke von Beethoven und Wagner sowie Julia Purginas viertes, dem HWQ gewidmetes Streichquartett erklingen werden, erscheint auch die neue CD. "Tristans langer Schatten“ heißt sie und stellt Wagners "Tristan“-Vorspiel in Beziehung zu Alban Berg und Anton Webern. Vor jedem Konzert gibt es einführende Worte zu den Werken; danach kann man an der Bar des Hotel Intercontinental bei einem Gin Tonic mit den Musikern über das eben Gehörte plaudern. Cheers!


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