Das Böse unter der Sonne

Mit "Der Fremde am See" beweist Alain Guiraudie, dass er mit Wohlfühlkino nichts am Hut hat

Feuilleton | Filmbesprechung: Michael Omasta | aus FALTER 48/13 vom 27.11.2013

Nachmittags geht es in dem kleinen Wäldchen zwischen Parkplatz und See fast so hektisch zu wie auf dem Times Square. Dutzende braungebrannte Badegäste laufen auf schmalen Trampfelpfaden kreuz und quer durchs Gebüsch. Mal von da, mal von dort ist Stöhnen zu vernehmen. Ein allein gelassener Dicker steht, die Hand in der Hose, peinlich auf einer Lichtung herum und möchte zuschauen.

"Der Fremde am See" beginnt als Idylle aus Sommer, Sonne und schwulem Sex. Der Film ist ausschließlich im Freien gedreht, rund um besagten Treffpunkt. Es gibt keine Musik darin und natürlich keine Frauen. Trotzdem ist beides unterschwellig präsent. Die Musik in der strophenförmigen Komposition des Films, die Frau in den Erzählungen des Holzfällers Henri: Früher, als er noch Familie hatte, erzählt er seinem neuen Bekannten Franck, lagerte er auf der anderen Seite des Sees.

Der junge Franck, ein exzellenter Schwimmer, für den die "Cruising"-Saison erst jetzt im Hochsommer beginnt, ist die Hauptfigur des


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