Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Jamu Kama

Ein Liebestrank, der rockt und hässlich ist wie die Nacht

STADTLEBEN | MS | aus FALTER 48/13 vom 27.11.2013

Im Angesicht zweier kopulierender Affen auf den Straßen Indiens kam Paul McCartney die Inspiration zu "Why Don't We Do It in the Road?". Zu diesem Zeitpunkt war er schon auf dem Weg, sich von den Beatles zu lösen, und spielte zum Ärgernis seiner Kollegen alle Lines selbst ein -so viel zum inhaltlichen Vorspiel.

Jamu Kama, ein nach indonesischer Tradition gebrauter Wellnessdrink, der es auf die Liebeshungrigen abgesehen hat, ist eine verworrene Erscheinung. Auf dem grafisch verunglückten Etikett ist im Hintergrund eine Art blau getöntes Paisley-Muster zu erkennen. Darüber wurden, ganz uncharmant, verschiedenfarbige Infokästen platziert. Man erfährt, dass die Flüssigkeit "aus dem Kamasutra" stammt, aha. Kam der im zweiten Jahrhundert nach Christus lebende Verfasser, ein gewisser Vatsyayana Mallanaga, nicht aus Indien?

Augen zu und durch. An diesem veganen Biogetränk scheiden sich in der Falter-Redaktion die Geister: Die einen jubeln, die anderen prusten. Das mit "wohltuenden Kräutern" versetzte, gluten-und lactosefreie Wässerchen hat es allerdings wider Erwarten in sich. Sehr würzig schmeckt es, nach Muskatnuss und Guarana, Ginseng, Kardamom und Chili, um nur ein paar Gewürze zu nennen. Das natürliche Wacholderaroma soll hier auch nicht unerwähnt bleiben.

Alles in allem ein kräftiges, nicht unsympathisches Potpourri. Halt, nach ein paar Minuten lugt man tatsächlich schon zum attraktiven Passanten auf der gegenüberliegenden Straßenseite, den Beatles-Song trällernd.


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