Film Retrospektive

Das poetische Kino des Satyajit Ray

Lexikon | KIRSTIN BREITENFELLNER | aus FALTER 48/13 vom 27.11.2013

Er war ein Aufklärer ohne erhobenen Zeigefinger, begabt mit einem außergewöhnlichen Gespür für die Komplexität der menschlichen Psyche. Seine Filme zeichnen sich nicht nur durch ihre Themen aus - von der Unterdrückung der Frau über religiösen Wahn bis zu den familiären Verwerfungen, die mit gesellschaftlichem Wandel einhergehen -, sondern auch durch ihr hervorragendes Darstellerensemble.

Satyajit Ray wurde 1921 in eine bengalische Künstlerfamilie geboren. Sein Werk umfasst mehr als 30 Filme, die, beeinflusst vom französischen und italienischen Neorealismus, zumeist Literaturverfilmungen darstellen. 14 Jahre nach der Retrospektive des Gesamtwerks zeigt das Filmmuseum nun sein Frühwerk, flankiert von "Projektionen aus Europa und Amerika" unter dem Titel "Nach Indien!".

Bereits sein Debüt "Pather Panchali" - der erste Teil der Apu-Trilogie (1955-59) über einen Jungen aus einem Dorf, der nach Kalkutta geht - machte Ray und erstmals auch den indischen Film zu Recht berühmt. Mit Mrinal Sen und Ritwik Ghatak, dessen Epos über ein Fischerdorf "Ein Fluss namens Titash" (1973) ebenfalls zu sehen sein wird, zählt Ray zu dessen hervorragenden Vertretern.

Ray räumte in der Folge nicht nur Preise in Cannes und bei der Berlinale ab, sondern erhielt auch 1992 den Oscar für sein Lebenswerk. Bis heute hat dieses nichts von seiner Tiefe und seinem Charme eingebüßt. Etwa "Charulata -die einsame Frau" (1964), dessen unvergessliche Eingangssequenz die Heldin gefangen in ihrem Haus am Fenster zeigt.

Rays Karriere begann übrigens als Assistent bei Jean Renoirs Meisterwerk "The River" (1951), das im Gegensatz zu Fritz Langs "Der Tiger von Eschnapur" und "Das indische Grabmal" (1959) - alle ebenfalls zu sehen -ganz ohne "Schuhpasta-Inder" auskommt.

"Satyajit Ray: Das Frühwerk" u. "Nach Indien!" - Doppelretrospektive im Filmmuseum, 4.12.-8.1.


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