Menschen

Vorgeknöpft

Falters Zoo | KARIN WASNER, CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 48/13 vom 27.11.2013

Es gibt nur einen, der zu einem bis zum Bauchnabel aufgeknöpften Hemd Goldkette tragen darf und dabei noch elegant aussieht. Nick Cave begeistert am Sonntag mit seinen Bad Seeds im bis auf den letzten Platz ausverkauften Gasometer alle, die sich im Sommer für das Frequency zu alt oder zu sauber gefühlt haben. Gestartet wurde noch züchtig zugeknöpft mit einem ruhigbedrohlichen "We No Who U R", bis dann bei "Tupelo" und noch später beim Klassiker "The Mercy Seat" an der Cave'schen Bluse ein Knopf nach dem anderen flöten ging. Himmlischer Segen und Höllenqual, darum geht es an diesem Abend, und der Australier enttäuscht natürlich niemals. Zwei Podeste direkt am Publikum ermöglichen den entzückt-entrückten Jüngern und Anhängerinnen in der ersten Reihe Körperkontakt und Anbetung Aug in Aug mit dem rasenden Zappelphilipp. Wer das Spektakel schon wieder verpasst hat, kann ab Freitag das neue Live-Album "Live from KCRW" bequem im Wohnzimmer hören. Ohne Schweiß, aber mit Tränen.

In der TBA21 im Augarten gibt es jetzt mit Die Au nicht nur eine neue, tolle Möglichkeit, ganz ohne Bobogezwitscher im Grünen (okay, momentan im Grauen) zu sitzen, Kaffee zu trinken und zu essen. In der TBA21 gibt es jetzt auch den "Sovereign Forest", so heißt die Ausstellung des indischen Künstlers und Filmemachers Amar Kanwar, und das ist jetzt weniger lustig, als man vielleicht erwarten würde. Es geht um Industrialisierung und deren Folgen für Mensch und Umwelt. TBA21-Gründerin und Gastgeberin Francesca Habsburg freute sich trotzdem im Licht offener Feuer über den Zuspruch, viele Gäste nahmen den Shuttlebus zur Secession; schließlich war ja in Wien Art Week.

Buchmesse war auch - eine gute Gelegenheit für Preise. So erhielt die Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi im Rathaus von Hauptverbandspräsident Gerald Schantin den Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln. Und in seiner Ansprache sagte Laudator Philipp Blom wahrscheinlich den Satz der Woche: "In ihrem No-Nonsense-Humanismus ist sie interessiert an Menschen und nicht an Macht." Obwohl wir den Nonsense-Humanismus eines, sagen wir, Austrofred schon auch sehr gerne mögen. Der - und ungefähr 1000 andere Autorinnen und Autoren -präsentierte in der Messe sein neues Buch "Hard On". Mit Konzert und Pappaufsteller.

Und dann wurden die restlichen Weihnachtsmärkte eröffnet. Eine der erstaunlichsten Weihnachtsaktivitäten findet sich im Innenhof des Innenstadtlokals Labstelle von Thomas Hahn: was zum Essen. Also was wirklich Gutes. Da wird Bauchspeck und Hirsch gepökelt und gebeizt, Eierlikör angesetzt und Brot gebacken. Punsch machen Küchenchef Kristijan Bacvanin und der für die Charcuterie zuständige Sebastian Ebner aber auch. Nein, man muss nicht auf den Rathausplatz.

Wie es, apropos gute Vorweihnachtsmöglichkeiten, bei der Eröffnung der Vollpension (Profis sagen "Pense") der Gebrüder Mike und Moriz Stitch zuging, können Sie auf Seite 25 nachlesen. Der Eierlikörkuchen von Frau Charlott e jedenfalls war super. Und Giorgio Moroder haben wir doch tatsächlich verpasst. Aber alle, die da waren, fanden, dass der betagte DJ (und begnadete Hitmacher) ein Onkel aus Amerika ist, wie man ihn sich nur wünschen würde.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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