Film Neu im Kino

Stars im falschen Film: "The Counselor"

Lexikon | MICHAEL PEKLER | aus FALTER 48/13 vom 27.11.2013

Was hätte das für ein interessanter Film werden können, wenn sich ein Regisseur wie John Sayles dieses Stoffes und der Mitarbeit am Drehbuch angenommen hätte. Und ein Kameramann wie Roger Deakins diese texanische Landschaft gefilmt hätte. Denn der amerikanische Süden ist eine Gegend, deren unwirkliche Schönheit stets mit den - oft nicht nur sozialen -Kämpfen zwischen den Menschen einhergeht. Und so ist die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko auch im Kino immer schon eine besondere gewesen: eine aus vielen kleinen Geschichten bestehende, große Legende. Die Coens und Deakins haben das in "No Country for Old Men" verstanden, indem sie die bittere Ironie zum Ausdruck brachten, die in der Vorlage von Cormac McCarthy steckt.

In "The Counselor" hingegen haben sich Ridley Scott und "Fluch der Karibik"-Kameramann Dariusz Wolski an einem Drehbuch des Pulitzerpreisträgers versucht, und das Ergebnis ist erschütternd. "All mouth and no trousers", urteilte der Guardian auf den Punkt gebracht über diesen Film, dessen Staraufgebot -Michael Fassbender, Cameron Diaz, Brad Pitt, Javier Bardem, Penélope Cruz -ohne Punkt meistens frontal in die Kamera schwatzt. Fassbender spielt einen Yuppie-Anwalt, den die Gier in die Arme von Bardem treibt, der als schmieriger Gangster für ihn einen Deal mit der Drogenmafia einfädelt, die furchtbaren und brutalen Konsequenzen für fast alle Beteiligten aber nicht verhindern kann. "The Counselor" möchte vom verhängnisvollen Abstieg erzählen, den der nimmt, der den Pfad der Tugend verlässt und sich von falschen Freunden schlecht beraten lässt. Entstanden ist eine Moritat, die den namenlosen Helden und die Hintermänner gleichermaßen zu sprechenden Abziehbildern degradiert und deren Höhepunkt Cameron Diaz' Liebesspiel mit einem Ferrari darstellen wird.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige