Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Piraten: bereit zum Kentern?

STEIERMARK | aus FALTER 48/13 vom 27.11.2013

Österreichs Piraten schlingern auf stürmischer See, seit ihr Grazer Gemeinderat Philip Pacanda mit VP und FP dafür stimmte, Bettel-"Erlaubniszonen" zu prüfen. Es folgten Rücktritte im Bundes-und Landesvorstand, in Postings wird Pacanda beschimpft: Bettelverbote sind piratisches No-Go. Er habe eben gehofft, "dass rauskommt, dass das gar nicht möglich ist", sagt Pacanda: "Dann wäre das Thema auf Dauer vom Tisch." Man muss ihm zugutehalten, dass es anders als kolportiert nicht um ein Bettelverbot ging, sondern "nur" um regulierte Zonen, wo Bettler etwa einen Ausweis bräuchten. Pacandas Begründung klingt ehrlich, aber sein Abstimmungsverhalten war ungeschickt und ist extrem schwer zu vermitteln. Dass es aber ein solches Beben auslöst, legt Tieferliegendes frei: die allgemeine Ermüdung nach dem Bundeswahlergebnis. Da schwindet die Lust, nächtens ehrenamtlich über Gesetzestexten zu brüten. Und so hält der Vorsatz, die Basis müsse Parteichefin sein, dem Alltag nicht stand: Pacanda muss erleben, dass ihn weit weniger Leute unterstützen als erhofft. Und die Basis muss akzeptieren lernen, dass manchmal eben der gewählte Mandatar allein, weil rasch entscheiden muss.

Geld für bezahlte Profis haben die Piraten nicht, also können sie nur eines tun: radikal Prioritäten setzen. Das fällt etwa Pacanda schwer; er will sich bei allem auskennen und hat dabei übersehen, wie sensibel das Bettelthema für Piraten ist. Bleiben lassen sollten diese ihre Art des Konfliktaustragens. Ex-Bundesvorstand André Igler ging nicht ohne Rundumschlag: "Wir haben nur lauter Möchtegerne." Einen anonymen Kritiker nannte er "feige Sau". So vergrault man auch die letzten Getreuen.


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