Urbanes Betragen

Benimmfibel für Großstadtmenschen (142)

STADTLEBEN | aus FALTER 48/13 vom 27.11.2013

Herr Sch. wohnt im Erdgeschoß und würde gerne wissen, ob er "hineingrüßen" darf, wenn er die Wohnung seiner Nachbarin passiert.

Werter Herr Sch., da Sie selbst Erdgeschoßbewohner sind, wissen Sie vermutlich, wie paranoiageplagt man als solcher sein kann. Das beginnt bei der Angst vor ins offene Fenster geworfenen glühenden Tschickstummeln, geht über Voyeure bis hin zum gemeinen Einbrecher. Alles nicht unbedingt Einschlafförderer. Da kann so ein unerwarteter Gruß durchs Fenster mitunter der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Jedenfalls sollten Sie, werter Herr Sch., Ihre gutgemeinten Grüße vielleicht lieber für Begegnungen im Stiegenhaus aufheben. Auf die ist man vorbereitet. So ein Gruß durchs Fenster hat auch etwas vom Eindringen in die Intimsphäre. Und es soll ja schließlich auch nicht so wirken, als wären Sie auf der Lauer gelegen.

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


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