Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 49/13 vom 04.12.2013

Die Redaktion erklärt sich selbst

Diese Zeitung ist bekanntlich in einer Ära entstanden, in der Hierarchien verpönt waren und alle Macht vom Plenum ausging. Als der Falter dann nicht mehr im hausinternen Kartoffeldruckverfahren vervielfältigt wurde, sondern die Leistung externer Druckereien mit echtem Geld entgolten werden musste, machten die Folgen dieser Professionalisierung auch vor der Redaktion selbst nicht halt, wo einzelne Mitarbeiter nun ebenfalls Echtgeldgehälter bezogen. Dennoch vermochte man sich der Idee einer klaren Zuteilung von Kompetenzen nur zögerlich zu nähern, sodass etwa die Politikredaktion bis tief ins neue Jahrtausend über keinen offiziellen Ressortleiter verfügte und die daraus resultierenden gruppendynamischen Eigenheiten das Sitzungsgeschehen für alle mit einem zusätzlichen Farbtupfen versahen.

Im Laufe der Zeit wurden unterschiedliche Verantwortlichkeitsmodelle durchgespielt. Die Redakteure und Redakteurinnen übernahmen über begrenzte Zeiträume hinweg die Zuständigkeit für bestimmte Teile des Falter. In seiner komplexesten Verfeinerung (à la "ist am Freitag zwischen 11.30 und 15.30 Uhr für orthografische und layouterische Belange der Rubrik ‚Politisches Buch‘ verantwortlich“) erwies sich dieser Weg allerdings als Sackgasse, weswegen wir seit kurzem Seitenpartnerschaften übernehmen. Damit die Chefin vom Dienst erkennt, wer wofür zuständig ist, werden die Redakteure jetzt mit Haftnotizen beklebt, auf denen die Nummern der Seiten stehen, für die die jeweilige Person die Verantwortung trägt. Wird sich wohl auch nicht durchsetzen.


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