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Briefbomben

Falter & Meinung | aus FALTER 49/13 vom 04.12.2013

Das war einmal ein herzhaftes Cover, gegen alles: Briefbomben, Moralinsäure und öde Heiligkeit. Eine Briefbombe hätte den Wiener Bürgermeister Helmut Zilk beinahe das Leben gekostet; am Ende kam er durch, seine rechte Hand aber war fortan nur noch ein Klumpen.

Es war bereits Zeit für eine Zwischenbilanz. Der Hartberger Pfarrer August Janisch, die ORF-Moderatorin Silvana Meixner und die Sekretärin des Wiener Wirtschaftsanwalts Klemens Dallinger wurden ebenfalls durch Briefbomben verletzt. Caritas-Präsident Helmut Schüller, Wolfgang Gombocz, Obmann des slowenischen Vereins Artikel 7, waren gewarnt und öffneten an sie gerichtete Briefbomben nicht. Die Polizei entschärfte auch Bomben an die Abgeordneten der Grünen Madeleine Petrovic und Terezija Stoisits und an die Frauenministerin Johanna Dohnal.

Kein Hinweis auf die Täter, bei offenbar klarem rechtsextremen Hintergrund. Der Falter sammelte Statements zur Lage; sie fielen beruhigend aus. Der Politologe Anton Pelinka sagte: "relax and catch them“, und der Politologe Peter Ulram bemerkte: "Übrigens habe ich die Kronen Zeitung noch nie so kleinlaut erlebt wie am heutigten Montag“ (nach dem Attentat auf Helmut Zilk).

Der Rest des Blattes war nicht weniger spannend. Klaus Nüchtern interviewte Manfred Deix, der ihm gegenüber bekannte: "Ich bin pubertär. Ja, es macht Spaß, ein kindischer Hund sein zu dürfen und das auch noch gut honoriert zu bekommen.“

Hermes Phettberg besuchte den damaligen Pater der Nation, recte Kaplan August Paterno, und sprach als Predigtdiener mit dem populären Fernsehprediger - no na - über Homosexualität und Zölibat.

Das Feuilleton kündigte eine Vortragsreihe von Peter Kubelka an. Der Filmemacher sprach den weisen Satz: "Wenn man so wie ich öfters in Amerika ist, hat man dieses traurige Erlebnis, genau vorauszuwissen, was in ein paar Jahren in der Heimat sein wird. Nicht? Ob das jetzt die Hexenjagd auf die Raucher ist, ob das Jogging ist oder das Körndlfressen.“ AT


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