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POL Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 49/13 vom 04.12.2013

Bücher, kurz besprochen

Im Milieu der Dauerbetroffenen

Christian Ortner ist ein verlässlicher Bringer. In seinem letzten Buch "Prolokratie“ sezierte er das seiner Meinung nach kaputte politische System Österreichs. In seinem Nachfolger "Hört auf zu heulen!“ begibt er sich ins Befindlichkeit-Bashing. Denn im die "öffentliche Meinung dominierenden Milieu der Familienaufsteller, Dauerbetroffenen und hauptberuflichen Mediatoren“ triumphiert, wer weinerlich ist.

Ortner stellt in seinem schmalen Band viele wichtige Fragen. Bietet Österreichs Sozialleistungsbürokratie nicht tatsächlich "perverse Anreizstrukturen“, etwa, wenn es sich für Sozialhilfebezieher gar nicht mehr lohnt, arbeiten zu gehen? Ist unser Bildungssystem gut genug, um die Entstehung einer "migrantischen Unterschicht“ zu verhindern? Und sollte nicht auch Österreich längst darüber nachdenken, ob der Wohlfahrtsstaat, wie es der niederländische König gesagt hat, "am Ende“ ist und sich in eine "Gesellschaft der Selbstverantwortung“ wandeln muss?

Leider gibt Ortner keine Antworten, sondern zeigt vor allem Fragen auf. Für alle, die in den letzten Monaten nicht, wie der Buchautor, internationale Medien nach Beispielen für das Versagen des Wohlfahrtstaates und seiner Institutionen durchforsten konnten, liefert Ortner die passende, düstere Nachlese. Pointiert, polemisch, durchaus amüsant, aber natürlich ganz und gar nicht ausgewogen.

Christian Ortner: Hört auf zu heulen! Edition A, 144 S., € 16,95


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