Enthusiasmuskolumne  Diesmal: die beste lokale Popgeschichte-Nachhilfestunde der Welt der Woche

"I bin da Blue-Jean-Jack aus Meidling“

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 49/13 vom 04.12.2013

Für gewöhnlich werden die Anfänge der österreichischen Popmusik auf die frühen 1970er-Jahre datiert. Ambros, Mendt und Danzer lauten die Stichworte, André Heller und die Worried Men Skiffle Group. Kenner führen dann noch zwei Wiener Sixties-Beatbands ins Treffen, The Slaves und Novak’s Kapelle. Der Rest waren angeblich Peter Alexander, Udo Jürgens und Freddy Quinn.

Stimmt nicht, sagt Al Bird Sputnik. Für den leidenschaftlichen Wiener Subkulturforscher beginnt die lokale Popgeschichte schon eineinhalb Jahrzehnte vorm "Hofa“ und der "Glock’n“, und nein, er meint damit nicht den oft als Austropop-Vorläufer bemühten Helmut Qualtinger. Mit seiner Kulturinitiative Trash Rock Archives widmet sich Sputnik der vergessenen Frühphase der österreichischen Popsubkultur - und er darf mit seinen gerade einmal 31 Jahren bereits als wandelndes Lexikon zum Thema gelten.

2014 sollen diese Forschungen in das Buch "Schnitzelbeat“ münden, der erste Teil einer gleichnamigen Samplerreihe liegt bereits jetzt vor. "Twisted Rock ’n’ Roll, Exotica & Proto-Beat Unknowns from Austria 1957-1965/66“ verspricht das als LP und CD in einer limitierten Auflage von jeweils 500 Stück erhältliche Werk, das in Kombination mit Sputniks ebenso kenntnisreichen wie unterhaltsamen Linernotes zu einer extrem lässigen Nachhilfestunde in Sachen "Die frühen Jahre der österreichischen Popmusik“ wird.

Oder haben Sie schon einmal von Frank Roberts gehört? Von Ferry Graf, The Austrian Evergreens, Hannes Patek & The Vienna Beatles, Rockie Jackson oder Dolf Kauer, der 1962 den Prototyp des Wiener Rock ’n’ Rollers besang: "I bin da Blue-Jean-Jack aus Meidling, die Händ’ san in die Toschn drin. Und olle hom vua mia de Fedan, wal i da Blue-Jean-Jackie bin.“


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