Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Heuer ist’s in die Hose gegangen

Steiermark | aus FALTER 49/13 vom 04.12.2013

Wenn Kulturpreise vergeben werden, darf man von einer Win-win-Situation sprechen. Jene, die die Preise vergeben, dürfen sich als Wertschätzende erhöht fühlen, die Künstler fahren Renommee ein und können Kontolöcher stopfen. Letzte Woche wurden die Landeskulturpreise im Grazer Künstlerhaus vergeben. Im Vergleich zum vorigen Jahr ging die Sache recht prosaisch über die Bühne. Aber das letztjährige Prozedere hatte nicht wenige derart peinlich berührt, dass man der bemühten Launigkeit ein wenig Fadesse gerne vorzieht.

Unter den Preisen war auch der Förderungspreis für zeitgenössische bildende Kunst. Eine Ausstellung mit den Nominierten ist derzeit im Kunsthaus zu sehen (siehe Rezension Programm S. 49). Der junge und bislang weniger bekannte Künstler Georg Oberhumer machte das Rennen. Im Vorfeld gab’s Aufregung, weil der Preis heuer das erste Mal per Publikumsvoting vergeben wurde. Man mag von Juryentscheidungen halten, was man will, die Alternative kann allerdings nicht sein, dass Künstler mit dem größten zu motivierenden Freundeskreis dann auf dem Stockerl stehen. Das hat auch der für die Abwicklung verantwortliche Joanneum-Intendant Peter Pakesch mittlerweile eingesehen. Künftig wird wieder der Ausstellungskurator über die Preisvergabe entscheiden. Heuer ist’s halt in die Hose gegangen.

Der junge Preisträger hat in einem Interview mit der Kleinen Zeitung trocken reagiert: "Das war kein Publikumsvoting, sondern ein Freundschaftsergebnis. Jetzt müssen wir Künstler diskutieren, wie wir mit dem Ergebnis umgehen.“ Das macht ihn, zumindest nach Haltungsnoten, zu einem würdigen Gewinner.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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