Fragen Sie Frau Andrea

Altersfragen zum Jüngsten Gericht

Kolumnen | aus FALTER 49/13 vom 04.12.2013

Liebe Frau Andrea,

es steht zwar Weihnachten vor der Tür und nicht das Jüngste Gericht: Dennoch plagt mich Letzteres - nicht als solches, sondern weshalb es das "Jüngste“ Gericht genannt wird. Alle, die in diesem Gericht richten, sind doch dann uralt, weil schon seit Ewigkeit existierend. Ich hoffe sehr, dass Sie eine Antwort haben, damit ich nicht auf den "Jüngsten Tag“ warten muss.

Mit bestem Dank im Voraus,

Maria Verwunderlich, per E-Mail

Liebe Maria,

als Mitarbeiterin am Projekt der Aufklärung kann ich nur einen Außenblick auf das Themenfeld liefern. Schon in der Bezeichnung der ideengeschichtlich sehr alten Vorstellung einer ultimativ letzten Gerechtigkeitsveranstaltung zeigen sich kulturelle, vor allem aber sprachliche Unterschiede. Die Idee des Gottesgerichts dürfte ihren Ursprung im Zarathustrismus, im babylonischen Sakralkönigtum und in altägyptischen Jenseitsvorstellungen haben. Der Tanach kennt die prophetische Vorstellung eines "Tags des Gerichts“, den das Neue Testament als Anmahnung des nahenden Gerichtes über alle Lebenden und Toten überhöht. Auch im Koran ist der Glaube an eine finale Gerichtsverhandlung als Ende der Geschichte ein zentrales Thema. Während das Englische das Datum als "Last Judgment“ oder "Judgment Day“, das Französische das Ereignis als "Jour du jugement“ kennen, führt die Bibelübersetzung Luthers von 1545 die Formel "Jüngstes Gericht“ ein. Insgesamt spricht die Bibel nämlich von mehreren Gerichten. Eines davon werde stattfinden, wenn Jesus wiederkomme. Dies sei das Gericht über seine Gemeinde. Ein zweites, endzeitliches Gericht befinde über den Antichristen und den falschen Propheten, ein drittes betreffe nach dem Ablauf der letzten Rebellion den Teufel. Erst dann finde das letzte, das "Jüngste Gericht“ statt. Hier würden alle gerichtet, die bis dahin nicht gerichtet worden seien. Dazu zählten alle, die nicht im "Glauben an Jesus“ verstorben seien und sich auch nicht durch die "Predigt Jesu im Totenreich“ bekehrt hätten. Explizite Fragen das Alter der Beteiligten betreffend werden in der Bibel nicht beantwortet. Wir dürfen davon ausgehen, dass Alternde zu diesem Zeitpunkt maximal alt wären, die dem Zeitvektor nicht Unterworfenen jedoch alterslos. Im Zweifelsfall sollten alle Beteiligten in ihrem Idealalter auftreten.

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft


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