Tiere

Wolfsrudel

Falters Zoo | aus FALTER 49/13 vom 04.12.2013

Es wird scho glei dumpa“, singt man nun im Musikunterricht. Die Tage werden kürzer, die Nächte kälter und die Nahrung für viele Wildtiere weniger. "When the going gets tough, the tough get going“, sang nicht nur der R&B-Sänger Billy Ocean, sondern auch Wildschweine legen bei der Futtersuche Distanzen von bis zu 50 Kilometern pro Tag zurück. "Wildschweinplage“ ruft man daher in landwirtschaftlichen Gegenden und macht jeweils andere für diesen Zustand verantwortlich. Der Österreichische Tierschutzverein wirft den Jägern vor, dass sie "jagdtechnisch“ versagen, Bauern ärgern sich über "Schönwetterjäger“, die nicht gerne bei Minusgraden auf Hochständen sitzen wollen, und der Landesjagdverband sieht das Problem im intensiven Maisanbau der Landwirte. Aber alle sind sich einig, dass zu viel Schwarzwild aus der Tschechei über die Grenze ins Land kommt.

Dabei wurden letztes Jahr bereits doppelt so viele Wildschweine abgeschossen, in Summe 50.000 Tiere. Gleichzeitig beklagen die Interessengruppen der Bauernverbände und Jägerschaft die Rückkehr von Raubtieren nach Österreich. Die Europäische Wildkatze wurde schon mehrfach wieder bei uns gesichtet, ca. zehn erwachsene Luchse leben im Mühl- und Waldviertel und auch einige Wölfe kamen heuer nach Kärnten und in die Steiermark.

Seit 1979 sind Wölfe in Europa streng geschützt. Da durch jagdliche Hege - sprich Fütterung - die Zahl von Hirschen, Rehen und Wildschweinen steigt, gäbe es eigentlich auch genug Beutetiere für stabile Populationen und der Pejorativ "Wildschweinplage“ sollte sanft wie Zephyrsgesäusel verhallen.

Aber. Leider. Nicht in Österreich, wo sich der Tourismus um seine Gäste sorgt. Dabei gab es in den letzten 50 Jahren in ganz Europa nur 21 Angriffe gesunder Wölfe auf Menschen. Und diese waren immer Hirten. Vier von ihnen starben, als sie ihrerseits versuchten, die Wölfe zu erschlagen. Meistens.

Auch die Landwirtschaft fürchtet um ihre Schafherden. Dabei gibt es seit vielen Jahrhunderten erfolgreiche Abwehrmaßnahmen: Hirten und ihre Hunde, die mit breiten Stachelhalsbändern vor Kehlbissen geschützt waren, bewachten die Nutztiere. Auch nächtliche Einstallung oder Elektrozäune halten Wölfe fern, die dann ihre Hauptbeutetiere, Rotwild, Rehe und Wildschweine, erbeuten. Uns allen würde dies viel unnötiges Herumgeballere im Winter ersparen.

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com

Peter Iwaniewicz möchte wie Rotkäppchen einem Wolf im Wald begegnen


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