Die Ausstellung zum Kunstpreis des Landes: die große Chance für junge Kunst

KUNSTKRITIK: ULRICH TRAGATSCHNIG

Lexikon | aus FALTER 49/13 vom 04.12.2013

Auch bei seiner 45. Auflage macht der Förderungspreis des Landes Steiermark für zeitgenössische bildende Kunst deutlich, wie unsinnig es inzwischen ist, Kunst nach der Herkunft ihrer Erzeuger einzuteilen. Diesmal war es Aufgabe von Gastkurator Jarosław Suchan, dem Direktor des Muzeum Sztuki in Łódź, von außen auf die sogenannte "steirische" Kunstszene zu blicken. Zehn Positionen hat er dabei aus den ca. 250 Einreichungen für die Wettbewerbsausstellung ausgewählt und gleich dazu gesagt, dass Kunst inzwischen ein globales Phänomen geworden ist und dass obendrein die meisten "steirischen" Künstler in Wien leben, wenn sie nicht die ebenso schwer fassbaren Szenen in Berlin, Brüssel oder sonst wo bereichern.

Seine Auswahl macht aber noch etwas anderes deutlich: Wie harmlos inzwischen Kunst ist, wie wenig sie daran interessiert ist, die verstörenden Aktionen ihrer Großelterngeneration fortzusetzen (wäre auch nicht leicht). Positiv formuliert: Junge zeitgenössische Kunst irritiert im ästhetischen Unterschwellenbereich, gewinnt ihre Überraschungsmomente aus dem Gegensatz von Schein und Sein wie Daniel Hafners expressive Zeichnungen und Skulpturen, aus der Fragilität des Materials wie die Plastiken von Angelika Loderer oder aus der Gegenständlichkeit sprachlichen Ausdrucks wie die mit dem Hauptpreis dekorierten Arbeiten Georg Oberhumers. Wenn sie laut wird, bleibt sie trotzdem Kinderspielzeug, wie Evelyn Loschys gegen eine Wand schwingende Schaukel. So gesehen scheint es nur konsequent, die Preisvergabe einem Publikumsvoting zu überlassen. Oder etwa nicht? (Siehe auch Kommentar S. 51.) Kunsthaus Graz, Space02, bis 9.2.


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