Film Neu im Kino

Unzugängliches Drama: "Tage am Strand"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 49/13 vom 04.12.2013

Sie sind wie junge Götter", flüstern sich Roz und Lil zu, während sie ihren gerade erwachsen gewordenen Söhnen Tom und Ian beim Surfen zusehen. Seit Kindheitstagen sind die beiden beste Freundinnen, an der malerischen australischen Küste leben sie als Nachbarinnen beieinander. Lil ist lange verwitwet, Roz scheint nicht an ihrer Ehe zu hängen. Als ihr Mann wegzieht, bleiben die Frauen mit ihren Söhnen allein zurück. Kurze Zeit später gesteht Ian Roz seine Liebe, und auch Tom beginnt -zunächst aus Rache -eine Beziehung mit der besten Freundin seiner Mutter.

Anne Fontaines "Tage am Strand" mit Naomi Watts und Robin Wright ist eine Verfilmung des Kurzromans "Die Großmütter" von Doris Lessing. Trotz aller Leidenschaft und Macht des neuen Glücks, dem sich die beiden Mütter scheinbar nicht entziehen können, gelingt es Fontaines Werk nicht, emotional zu ergreifen.

Einerseits kommt die seelische Komponente der Figuren im Vergleich zur Körperlichkeit zu kurz -weder Konflikte noch Gefühle werden zwischen den Partnern besprochen, der Beziehungsalltag wird völlig ausgespart. Auch die später folgenden dramatischen Entwicklungen wirken wie aus der Ferne beobachtet.

Andererseits wird diese emotionale und kommunikative Unzugänglichkeit (die nicht nur ein Verzicht auf Bewertung ist) verstärkt durch eine Enthebung aus Raum und Zeit: Viele Jahre vergehen mit einem Szenenwechsel, während die Figuren davon scheinbar unberührt immer wieder zu einem paradiesischen Floß im Wasser zurückkehren.

Gern möchte man in die Tiefe tauchen, bleibt in "Tage am Strand" aber an die sonnendurchflutete Oberfläche gebunden. Dies erzeugt zumindest Neugierde, welche Facetten die literarische Vorlage ihren Charakteren verliehen hat.

Ab Fr in den Kinos (OmU im De France)


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