Film Neu im Kino

Beten, bluten, mobben: King-Neuadaption "Carrie"

Lexikon | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 49/13 vom 04.12.2013

Entgegen dem Eindruck, mit der Welt im Allgemeinen und mit Horrorfilmremakes im Besonderen würde alles immer ärger, ist die Neuverfilmung von Stephen Kings Romandebüt "Carrie" gesitteter als Brian De Palmas Erstadaption von 1976. Die allerdings hat die Latte hoch gelegt, etwa in einem Dialog zwischen Nancy Allen als zickiger High-School-Bully und dem jungen John Travolta: Als sie ihn per Blowjob überredet, bei ihrem blutigen Komplott gegen die Titelfigur mitzutun, stößt sie, bevor sie ans Werk geht, noch inbrünstig "God, I hate Carrie White!" hervor.

Solche Gefühlsverdrehung bietet der 2013er-Film über ein von ihrer christlich-paranoiden Mutter in Bußritualen gedrilltes, von MitschülerInnen hämisch gemobbtes, telekinetisch begabtes Mädchen nicht. Auch zu De Palmas im besten Sinn ungesundem Konzeptbarock, der vitale Mädchenkörper in ornamentalen Arrangements, Buntlicht, Extremzeitlupen, Tonlöchern, Schwulstmusik und Splitscreen suspendiert, hat das Remake kein Pendant. Und so bewegend die auf Freakrollen abonnierte Chloë Grace Moretz (16) als Carrie auch spielt, an Sissy Spaceks irre, dürre, fleckigbleiche Erscheinung anno 76 kommt das nicht heran.

Dennoch macht der Psychoschocker von Kimberly Peirce gute Figur. Er erhält die melodramatische Hellsicht des Sujets: das Zugleich von Empathiefokus auf Carries Nöte und ihre zur Prom-Night keimende Glückshoffnung mit einem Panorama von Schule als Machtraum allseitiger Demütigung. Und er fügt manches hinzu: mehr Action und Blut -gar nicht in der Duschszene, sondern rund um Julianne Moore als Mutter, etwa auch bei Carries Geburt. (Wenn's sein muss ...) Schließlich das Thema religiöser Fundamentalismus samt Zwangsaskese, das 1976 wie Altbestandsgrusel daherkam: Heute hat es eine im schlechten Sinn ungesunde Aktualität.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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